A Serious Man

2008 haben Joel und Ethan Coen einige Oscars für „No Country For Old Men“ gewonnen: Beste Regie, Bestes adaptiertes Drehbuch, bester Film. Solch ein Triumph eröffnet wohl sämtliche Möglichkeiten für Folgeprojekte. Eines davon ist „A Serious Man“, ein bitterböser Film, vielleicht sogar ein Test, wie weit man als Filmemacher gehen kann.

Gezeigt wird das Leben von Larry Gopnik, Mitglied einer jüdischen Gemeinde im Amerika der späten 60er Jahre, dem, ohne dass er auch nur irgendetwas dazu tut (gebetsmühlenartig wird von ihm der Satz „I haven’t done anything.“ wiederholt) immer mehr Unglück wiederfährt: Seine Stelle als Uniprofessor scheint unsicher, ein (süd-)koreanischer Student versucht sich gute Noten zu erkaufen, seine Frau will die Scheidung und einen anderen Mann heiraten, sein Nachbar hält sich nicht an die Gartengrenze, sein Bruder, etwas spielsüchtig, lebt bei ihm im Haus. Die Liste ließe sich durch Autounfälle, Geldsorgen, etc. nahezu beliebig ergänzen.

Was läge da als Jude näher, als Erklärungen im Glauben zu suchen? Höhepunkte des Films sind die Besuche bei den Rabbis, deren Ratschläge immer absurder werden und deren Kernaussagen meist in der Nähe von „Gottes Wege sind unergründbar“ anzusiedeln wären.

Larry Gopnik, wunderbar mitleidserregend dargestellt von Michael Stuhlbarg, bleibt eine Erklärung für sein Leid jedoch verwehrt. Der Zuschauer könnte durch den Prolog aber erahnen, dass Larry eventuell verflucht ist. Doch was wollen die Coens damit ausdrücken? Ob du nun etwas tust oder das Leben einfach nur an dir vorbei ziehen lässt, es ist eh alles egal? Ganz so negativ sehe ich den Film nicht. Für mich wirkt „A Serious Man“ eher wie eine Abrechnung mit der Religion, die schließlich darin gipfelt, dass der dritte Rabbi nur noch Popmusik zitiert (aus dem immer wieder zu hörenden „Somebody To Love“ von Jefferson Airplane). So könnte der Film fast schon eine Verfilmung der Bibelgeschichte um Hiob sein, dem Gott alles wegnimmt, um seine Gottestreue zu testen. Und das nur, weil Gott mal wieder mit dem Teufel gewettet hat.

Genauso sinnlos wie alles, was Larry geschieht, mag manchem Zuschauer der Film erscheinen. Die Coens verweigern dem Zuschauer eine wirkliche Handlung und geben dem Publikum mit dem Schluss, der die Gemüter wohl spaltet, geradezu eine Ohrfeige. Und genau das ist es, dass den Film so vergnüglich macht. Neben dem feinen Humor kann man erahnen, welchen Spaß die Regisseure mit diesem Film hatten und sich zusätzlich – ganz ohne schlechtem Gewissen – ein bisschen an dem Leid anderer erfreuen.

9/10

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