Mulholland Dr.

David Lynchs Filmalbtraum wurde erst kürzlich – völlig zurecht – mehrfach zum „besten Film der Dekade“ gewählt (IndieWireL.A. Film Critics AssociationCahiers du Cinema).

Dabei ist die Handlung, typisch Lynch, nicht gerade einfach wiederzugeben. Um den Film vollends genießen zu können, sollte man vermutlich auch nicht sehr viel über ihn wissen. Nur die Ausgangssituation sei hier geschildert: Ein hübsches Blondchen (Naomi Watts) kommt nach Hollywood, um eine große Schauspielerin zu werden. Bei einem Mordversuch/Autounfall verliert eine elegante, dunkelhaarige Frau (Laura Elena Harring) ihr Gedächtnis. Ein Regisseur (Justin Theroux) wird von dubiosen Männern gezwungen, die Hauptrolle in seinem aktuellen Film neu zu besetzen.

Was nun folgt, ist ein Spiel mit Identitäten, ein Blick in den Moloch Los Angeles, eine finstere Reise in die Seele der Protagonistin.

Mulholland Dr. beeindruckt mit einer unglaublich dichten Handlung, die, so wenig Sinn sie auch zunächst zu machen scheint, am Ende doch größtenteils schlüssig interpretierbar ist. Einzelne Szenen (das Vorsprechen, Club Silencio, die Verlobungsparty) sind zudem von unerreichter Intensität, sie nehmen den Zuschauer völlig ein. Getragen wir der Film von dem fantastischen Frauenduo: Laura Elena Harring überzeugt in ihrer sinnlichen, mysteriösen Rolle, während Naomi Watts‘ Performance eine Offenbarung ist: Um die Veränderungen ihrer Figur darzustellen, genügen ihr teilweise schon Körperhaltung und Mimik. Die Atmosphäre des Films wird perfekt von der Musik von Angelo Badalamenti, der schon die prägnanten Melodien für Lynchs TV-Serie „Twin Peaks“ komponierte, unterstützt.

Während David Lynchs Filme doch manchmal arg anstrengend und bisweilen nervig sind (Wild at Heart) und ihm teilweise die perfekte Atmosphäre wichtiger ist als eine ansatzweise verfolgbare Handlung (Inland Empire), gelingt ihm in seinem Schaffen doch immer wieder Großes (Blue Velvet, The Elephant Man, Twin Peaks). Sein Meisterwerk ist aber definitiv Mulholland Dr., eines der faszinierendsten Filmerlebnisse überhaupt.

10/10

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