Closer

„I am human and I need to be loved
just like everybody else does“

Als ich „Closer“ vor ein paar Jahren das erste Mal sah, hatte ich nicht sehr große Erwartungen: Mike Nichols‘ The Graduate war für mich nicht so überragend wie erwartet und Julia Roberts in einem Film versprach auch eher Hollywood-Kitsch. Schließlich war ich aber doch voll und ganz begeistert.

Umso gespannter war ich, ob mich der Film auch ein zweites Mal so uneingeschränkt überzeugen kann. Immerhin habe ich Mike Nichols mittlerweile für grandiose Theaterverfilmungen (Who’s Afraid of Virginia Woolf?, Angels in America) schätzen gelernt und weiß auch, dass selbst Julia Roberts in den richtigen Rollen gefällt.

Alles beginnt damit, dass sich der Journalist und Autor Dan (Jude Law) in die frisch in London eingetroffene Stripperin Alice (Natalie Portman) verliebt. Als er ein Jahr später die Fotografin Anna (Julia Roberts) kennenlernt, will er aber doch lieber sie haben. Die wiederum bandelt mit dem Arzt Larry (Clive Owen) an, woran Dan auch nicht ganz unschuldig ist. Von nun an gibt es Betrug, Partnerwechsel und messerscharfe Dialoge.

Man merkt dem Film seine Theaterherkunft deutlich an: Mike Nichols beschränkt sich auf seine vier (wunderbar harmonierenden) Schauspieler, benutzt nur wenige Schauplätze und vertraut ganz auf die Worte des Stücks von Patrick Marber. Und das funktioniert auch hervorragend. Jede Szene ist von ungeheurer Intensität und bringt die Handlung, die mit einigen Zeitsprüngen versehen ist, immer ein Stück voran.

Allein die Stripclubszene zwischen Alice und Larry ist es wert, den Film anzusehen. An einem Ort, an dem die Stripperinnen falsche Identitäten annehmen und die Besucher sich Illusionen hingeben läuft im Hintergrund „How Soon Is Now“ von The Smiths. Perfekter könnte musikalische Untermalung nicht sein.

Mike Nichols ist ein grandioser Anti-Liebesfilm gelungen. Wo sonst Hollywood-Moral herrscht, wird sich hier munter betrogen und hintergangen. Jeder ist sich selbst am nächsten. Und wenn Dan, der Romantiker des Films, behauptet, ohne die Wahrheit wäre der Mensch nichts weiter als ein Tier, so wird die bitterböse Ironie von „Closer“ deutlich: Die Wahrheit zerstört im Film letztlich jede Beziehung, sie macht die Liebe geradezu unmöglich.

Ja, der Film hat mich immer noch restlos begeistert. Und vermutlich wird er das immer wieder tun.

10/10

There’s a club if you’d like to go
you could meet somebody who really loves you
so you go, and you stand on your own
and you leave on your own
and you go home, and you cry
and you want to die“

How Soon Is Now, The Smiths

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