21 Grams

Der erste englischsprachige Film von Alejandro González Iñárritu, der zuvor mit „Amores Perros“ auf sich aufmerksam gemacht hat, erzählt erneut die Geschichte von drei sich kreuzenden Lebenswegen: Paul Rivers (Sean Penn), ist schwer krank und wartet auf ein Spenderherz. Cristina Peck (Naomi Watts) hat ein glückliches Leben, bis ihr Mann und ihre Töchter in einen Autounfall verwickelt werden. Jack Jordan (Benicio Del Toro), ein ehemaliger Sträfling, wendet sich dem Glauben zu, um Sinn in seinem Leben zu finden.

Die Geschichte von „21 Grams“ wird nicht chronologisch erzählt. Der Zuschauer bekommt nur kleine Happen serviert, die er selbst im Gesamtzusammenhang verordnen muss. Was zunächst verwirrend erscheint, macht nach und nach mehr Sinn.

Der Film ist emotional aufwühlend, was vor allem an der hervorragenden Besetzung liegt. Auch wenn mich Sean Penns Gesicht in jedem Film stört, liefert er doch wieder eine gute Leistung ab. Naomi Watts (schon grandios in Mulholland Dr.) bekam für ihre Rolle eine wohlverdiente Oscarnominierung, ebenso wie Benicio Del Toro.

Alle drei spielen zutiefst einsame Menschen, die mit ihrem Leben nicht mehr zurecht kommen. Mithilfe ihres Lebenswegs wirft González Iñárritu interessante Fragen auf: Kann Religion im Leben helfen? Muss man vergeben, darf man Rache üben? Wie viel ist ein Leben wert?

Wirkliche Antworten auf diese Fragen gibt es allerdings nicht. In einem Interview sagte der Regisseur, dass er das Leben als eine Reihe von Verlusten ansieht. Man verliert Dinge, Freunde, Haare, Hoffnung, letztendlich das Leben. Sein Film zeigt, wie verschiedene Menschen mit solchen Verlusten umgehen. Und auch wenn es so scheint, als ob sie damit gar nicht zurecht kommen würden, so geht ihr Leben doch weiter. Ein kleines bisschen Hoffnung ist in ihnen also scheinbar noch erhalten.

Was zunächst wie einer der deprimierendsten Filme überhaupt wirkt, hat also – wenn auch recht versteckt – doch eine in gewisser Weise positive Sicht auf das Leben. So oder so, der Film ist unglaublich mitreißend und sollte allein der Darsteller wegen angesehen werden.

9/10

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