Jules et Jim

In Pixars Animationsfilm „Ratatouille“ gibt es eine wunderbare kleine Szene, in der Remy, der Held der Geschichte, ein Pärchen in einer Pariser Wohnung beobachtet, das sich streitet und sich sogar mit einer Pistole bedroht, nur um sich kurz darauf leidenschaftlich zu küssen. Und genau das ist meine Vorstellung von französischen Filmen. Truffauts „Jules et Jim“ bedient dieses Klischee perfekt und macht aus dem Liebeshinundher gleich noch eine ménage à trois (stellenweise gar eine ménage à quatre).

Den Österreicher Jules (Oskar Werner) und den Franzosen Jim (Henri Serre) verbindet im Paris vor dem ersten Weltkrieg eine enge Freundschaft. Jules ist eher der ruhige Typ, der mit Frauen nicht allzu viel Glück hat, Jim dagegen ist ein Frauenheld. Sie lernen die bezaubernde Catherine (Jeanne Moreau) kennen, Jules verliebt sich in sie, sie heiraten und bekommen ein Kind zusammen, obwohl Jules und Jim für ihr jeweiliges Land in den Krieg ziehen müssen. Nach dem Krieg besucht Jim das Ehepaar und es kommt, wie es kommen muss: Catherine verliebt sich in ihn. Da Jules Frau und Kind nicht verlieren will, leben sie zunächst alle mit Jim zusammen. Catherine kann sich dennoch nicht entscheiden, hat zwischendurch noch andere Affären und sieht am Schluss nur einen Ausweg aus dem Dilemma…

Der Film lebt von einer wunderbaren Leichtigkeit, die in der Inszenierung liegt, und der Begeisterung für Catherine bzw. Jeanne Moreau, die der Zuschauer (zunächst) mit den männlichen Protagonisten teilt. In einer Szene fängt Truffaut Catherines Gesichtsausdrücke in einigen Standbildern ein und man kann nicht anders, als von dieser Frau fasziniert zu sein. Mit der Zeit werden ihre Stimmungsschwankungen und ihr krudes Bild von Liebe – man muss in einer Beziehung quitt miteinander sein – zunehmend anstrengend. Jules und Jim sind dennoch geradezu abhängig von ihr, was sie in ihr Verderben stürzt. Ich als Zuschauer verstehe aber irgendwann nicht mehr, warum sich die beiden nicht von dieser Frau abwenden können. Und damit verliert der Film seine Glaubwürdigkeit.

Ich mag den Film wegen seiner leichten Atmosphäre und auch wegen des anderen – eventuell modernen – Frauenbildes. Dieses entspricht, und das ist ein Fortschritt, nicht dem des Heimchens am Herd; jedoch ist seine Vorstellung einer Frau nicht nur freiheitsliebend und frei denkend, sondern auch emotional instabil, ein bisschen nymphoman, und letztendlich auch etwas psychopathisch. Ist das die moderne Frau?

Was jedoch zunehmends stört, ist das ständige Hin und Her zwischen den Liebenden. You said, „I love you,“ I said, „Wait.“ I was going to say, „Take me,“ you said, „Go away.“ – Das beschreibt den Film ziemlich gut.

6/10

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