The Secret In Their Eyes (El secreto de sus ojos)

„El secreto de sus ojos“, der diesjährige Oscargewinner für den besten fremdsprachigen Film, ist in jeder Hinsicht ein großer Kinofilm, wie man ihn heute nur noch selten sieht. Die Geschichte umspannt einen Zeitraum von 25 Jahren, es geht um Einsamkeit, einen Mord und die große Liebe.

Benjamín Espósito (Ricardo Darín) ermittelt in Buenos Aires im Jahr 1974 mit seinem alkoholkranken Kollegen Pablo Sandoval (Guillermo Francella) in einem Mordfall: Lilliana Morales wurde in ihrem Haus brutal vergewaltigt und ermordet. Benjamín wird dieser Fall bis in Jahr 1999 begleiten, auch weil er fasziniert ist von der Liebe, die Lillianas Witwer zeigt. Er selbst dagegen ist jahrelang unglücklich in seine Chefin Irene Menéndez-Hastings (Soledad Villamil) verliebt.

„How do you live a life full of nothing?“

In „El secreto de sus ojos“ ist alles groß angelegt: Ein großer Kriminalfall, eine große Liebe, große Emotionen. Dass der Film nicht von Anfang an in den Kitsch abdriftet, liegt an den dreidimensionalen Charakteren. Jeder der drei Hauptprotagonisten hat mit Einsamkeit zu kämpfen, der große Held der Geschichte, taugt als solcher nicht, da er selbst eine gebrochene Figur ist. Der Regisseur Juan José Campanella und die fantastischen Darsteller schaffen es, den Zuschauer nicht nur für die spannende Geschichte, sondern insbesondere auch für das Schicksal der Figuren zu interessieren.

Wo aber der deutsche Oscarkonkurrent „Das weiße Band“ stellenweise zu verkopft daherkam, schmiegt sich „El secreto de sus ojos“ manchmal zu sehr an den Zuschauer an: Die Auflösung des Mordfalls wird fast schon zu lange erklärt, so dass es auch wirklich jeder versteht; jede Kleinigkeit löst sich am Ende auf. Selbst das fehlende „A“ auf Benjamíns Schreibmaschine hat letztlich einen Sinn. Zudem sind die großen Emotionen im Film stellenweise einfach zu groß: Dass die Liebende hinter dem abfahrenden Zug herläuft und die Hand des Angebeteten durch die Fensterscheibe berührt, ist einfach zu dick aufgetragen. (Immerhin wird das in einem kurz darauf folgenden Dialog auch erkannt.) Auch die musikalische Untermalung im Finale hätte etwas weniger dramatisch ausfallen können.

Letztlich macht es aber einfach viel Spaß, mal wieder einen fast schon epischen Film zu sehen. Besonders hervorzuheben ist eine unglaublich beeindruckende fünfminütige Szene, die mit einer Kamerafahrt auf Hubschrauberperspektive über einem Fußballstadion beginnt, und sich zu einer Verfolgungsjagd entwickelt. Diese Szene kommt auf der ersten Blick ohne einen Schnitt aus und ist allein koordinatorisch eine Meisterleistung.

Ein in jeder Hinsicht großer Film.

8/10

Advertisements