Goodfellas

„As far back as I can remember, I always wanted to be a gangster.“ – Henry Hill

Martin Scorsese erzählt in „Goodfellas“ die Geschichte von Henry Hill (Ray Liotta), beginnend als Jugendlicher im Brooklyn der 50er Jahre. Schon früh begeistert er sich für das Leben der Gangster, die scheinbar von jedem respektiert werden, nie in einer Schlange warten müssen und nur die besten Anzüge tragen. Er beginnt, einfache Botenjobs für den Paten Paulie Cicero (Paul Sorvino) zu übernehmen und lernt bald Jimmy Conway (Robert De Niro) und den cholerischen Tommy DeVito (Joe Pesci) kennen. Damit beginnt sein Aufstieg in der Mafia. Ende der 60er begegnet er Karen (Lorraine Bracco, die später über Tony Soprano erneut mit der Mafia in Verbindung kommt); die beiden heiraten und bekommen zwei Kinder. Doch auf den Aufstieg folgt immer auch der Fall: Henry muss für einige Jahre ins Gefängnis und beginnt später, hinter dem Rücken von Paulie, Drogen zu dealen…

Die Faszination für die Mafia kann der Zuschauer in jedem Moment mit Henry Hill teilen. Zwar wird das Geschehen nicht romantisiert, es geht äußert brutal zu (da wird man nach einer Beleidigung gleich mal umgebracht); dennoch schafft es Scorsese, das Bild einer ganz eigenen Gesellschaft mit Strukturen und Regeln zu entwerfen, welche ihre Reize hat: Geld, Macht, Sex, Respekt. Doch gerade dieser Respekt voreinander ist extrem unbeständig. So muss Henry erleben, wie ihn seine „Freunde“ zu töten versuchen, sobald er eine Gefahr darstellt. „Goodfellas“ zeichnet das Bild einer Welt, in der du an einem Tag alles haben kannst und am nächsten Tag ein absoluter Niemand bist.

Scorsese bedient sich in der Exposition vor allem dem Voice-over um die Strukturen der Mafia und die wichtigsten Charaktere vorzustellen. (Eine Technik, die er in „Casino“ in extremerer Weise wiederholt.) Und auch danach weiß die Inszenierung zu überzeugen: Die Musik untermalt wunderbar die jeweilige Zeit, in der sich der Film gerade befindet. Viele Szenen, wie zum Beispiel das in einer einzigen Einstellung gedrehten Betreten des Copacabana-Clubs oder Tommys Ausraster, weil Henry ihn als „funny“ bezeichnet, beeindrucken. Bis auf Lorraine Bracco, die manchmal doch etwas zu hysterisch agiert, überzeugen auch die Schauspieler auf ganzer Linie.

Insgesamt ist „Goodfellas“ ein ziemlich perfekter Film. Zu kritisieren gibt es höchstens, dass man Henry Hills Aufstieg und Fall zwar mit Faszination verfolgt, aber emotional davon eher kalt gelassen wird.

9/10

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