You Don’t Know Jack

Dr. Jack Kevorkian hat in den 90er Jahren nach eigenen Angaben mehr als 100 unheilbar kranke Menschen dabei unterstützt, sich das Leben zu nehmen, obwohl Sterbehilfe gesetzlich verboten ist. In allen Fällen führten die Patienten die Handlung, die zum Tod führte, selbst aus. Kevorkian, der von den Medien den Spitznamen „Dr. Death“ bekam, handelte also in einer gesetzlichen Grauzone, da er lediglich die benötigte Kohlenstoffmonoxidkanister samt Gasmaske zur Verfügung stellte. Es kam zu mehreren Gerichtsverfahren, in denen er immer wieder freigesprochen wurde. 1998 entschied er sich allerdings, eine Videoaufnahme im Fernsehen ausstrahlen zu lassen, in der zu sehen ist, wie Kevorkian dem an der Nervenerkrankung ALS leidenden Thomas Youk eine tödliche Spritze setzt. Ziel war es, in einen juristischen Präzedenzfall Sterbehilfe zu legalisieren.

„You Don’t Know Jack“ nähert sich „Dr. Death“ in einer nicht wertenden Weise an. Stellenweise wirkt der Film geradezu dokumentarisch; die Originalaufnahmen von Gesprächen mit Patienten, die ihren Sterbewunsch äußern, unterstützen dieses Gefühl und verleihen Authentizität. Gerade die nüchterne Erzählweise macht einzelne Szenen schwer verdaulich.

Im Laufe der Handlung kommen interessante Gedanken auf: So ist es nicht nachvollziehbar, dass es erlaubt ist, einem unheilbar Kranken, der nicht mehr bei Bewusstsein ist, die lebenserhaltenden Maßnahmen abzuschalten und ihn somit verhungern bzw. verdursten zu lassen, es aber gleichzeitig verboten ist, dem Sterbewunsch eines noch rational denkenden Menschen nachzugehen. Andererseits muss man sich fragen, ob mit einer Legalisierung von Euthanasie, das Recht zu Sterben nicht zu schnell missbraucht werden könnte.

Die Schauspieler in „You Don’t Know Jack“ leisten allesamt hervorragende Arbeit: Susan Sarandon, Danny Huston, John Goodman und Brenda Vaccaro glänzen in Nebenrollen; der Film gehört aber Al Pacino, der als Jack Kevorkian zeigt, dass er immer noch einer der wichtigsten und besten Darsteller ist. Ausgerechnet in Fernsehfilmen wie diesem oder der ebenfalls von HBO produzierten Miniserie Angels in America gibt er seine besten Vorstellungen im hohen Alter, während seine Rollenauswahl im Kino stark zu wünschen übrig lässt. Kevorkian hätte leicht zur Farce eines exzentrischen alten Mannes verkommen können, Pacino macht ihn zu einem differenzierten Charakter, der seine Ansichten (vielleicht zu) stur vertritt.

Barry Levinson („Rain Man“) ist mit „You Don’t Know Jack“ ein überzeugender Film gelungen, der irgendwo zwischen halbdokumentarischem Biopic und spannendem Justizdrama einzuordnen ist.

8/10

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