Away We Go

Mit „Away We Go“ versucht sich Sam Mendes (American Beauty, Revolutionary Road), dessen bisherige Film bis ins kleinste Detail durchkalkuliert wirkten, als Regisseur einer lockeren Komödie. Dass ein solch namhafter Regisseur plötzlich einen kleinen Indie-Film macht, ihn mit Indie-Musik unterlegt, Schauspieler John Krasinksi („The Office“) Indie-Bart und -Brille tragen lässt und noch dazu ein hübsches Indie-Poster entworfen wird, wirkt auf mich zunächst aber gar nicht mehr Indie, sondern eher etwas krampfhaft und verlogen. So war ich dem Film gegenüber auch etwas feindlich eingestellt und war umso mehr überrascht, dass er mir am Ende doch ziemlich gut gefallen hat.

Erzählt wird die Geschichte von Burt (John Krasinski) und Verona (Maya Rudolph), die zusammen ein Kind erwarten. Im sechsten Monat schwanger, erfahren sie, dass Burts Eltern (Catherine O’Hara und Jeff Daniels) noch vor der Geburt für zwei Jahre nach Europa ziehen werden. Das Pärchen sieht keinen Grund mehr, in ihrem Heimatort zu bleiben und beschließt daher, Freunde und Verwandte in ganz Nordamerika zu besuchen, um sich dann zu entscheiden, wo ihr Kind aufwachsen soll. Auf ihrer Reise begegnen sie den verschiedensten Menschen, die sehr unterschiedliche Vorstellungen von Familie haben. Die meisten Charaktere, die Burt und Verona treffen, sind dabei so exzentrisch, dass sie zwar wenig glaubwürdig wirken, aber dennoch für gute Unterhaltung sorgen. Bestes Beispiel ist Maggie Gyllenhaals Auftritt als radikal freigeistige Mutter, die Kinderwägen für ein großes Übel hält („I love my babies. Why would I want to push them away from me?“).

„Away We Go“ balanciert hervorragend zwischen komischen und ernsten Momenten. Zudem ist es wahnsinnig erfrischend, ein Filmpärchen zu sehen, welches einfach glücklich miteinander ist. So gibt es 15 Minuten vor Schluss ausnahmsweise kein plötzlich auftretendes Problem, das fast zur Trennung des Paars führt, nur um es kurz darauf wieder kitschtriefend zu vereinen. John Krasinski und Maya Rudolph harmonieren wunderbar miteinander und bilden den Ruhepol, den der Film braucht, um die extremen Nebencharaktere auszugleichen.

Das Ende des Films soll zwar nicht verraten werden, doch erstaunlich ist es schon, dass die werdenden Eltern zunächst durch halb Nordamerika reisen müssen, um erst dann auf die ziemlich nahe liegende Lösung zu kommen. Das hätte vielleicht ebenso vermieden werden können wie die etwas zu sehr überzeichneten Figuren und das unglaubwürdige Marketing als Indie-Perle. „Away We Go“ ist nichtsdestotrotz ein sympathischer Film geworden, der den Zuschauer mit einem wohlig-warmen Gefühl zurücklässt.

7/10

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