Martyrs

Viel will ich zum Inhalt von „Martyrs“ nicht verraten. Der Film beginnt mit der Flucht eines blutverschmierten jungen Mädchens names Lucie (Mylène Jampanoï). In einer Fabrikhalle wurde sie über längere Zeit gefoltert, aber nicht sexuell missbraucht. Im Waisenhaus freundet sie sich mit der gleichaltrigen Anna an. 15 Jahre später will sie Rache an den Menschen nehmen, die ihr so schreckliches Leid zugefügt haben. Ein simpler Rachefilm ist „Martyrs“ dabei aber nicht; dieser Teil ist nach etwa 15 Minuten schon beendet. Erst danach offenbart sich die ganze Grausamkeit des Films.

In seinem Ursprungsland Frankreich löste „Martyrs“ einige Kontroversen aufgrund seiner extremen Brutalität aus. Schließlich musste sich sogar Kulturministerin Christine Albanel einschalten, damit das Werk überhaupt in Kinos gezeigt werden durfte. Im Unterschied zu anderen so genannten „torture porns“ wie es „Saw“ oder „Hostel“ sind, soll die Gewalt hier offenbar nicht nur der perversen Unterhaltung dienen: Sie dient als Hinführung zur Schlusspointe des Films, welche wiederum eine philosophische Frage über das Leben und den Tod aufwirft.

Mein Problem dabei: Bis zu dieser (tatsächlich interessanten) Pointe, ist die 90-minütige Qual der Protagonisten für den Zuschauer einfach nur schrecklich anzusehen. Man leidet beim Sehen natürlich mit, was aber nicht unbedingt an der emotionalen Bindung an eine der Figuren liegt, sondern einzig und allein an der Grausamkeit des Gezeigten. So ist „Martyrs“ nicht im eigentlichen Sinne spannend oder gar gruselig, sondern meistens vor allem brutal.

Mich beschleicht das Gefühl, dass Pascal Laugier seinen Film eben nicht um eine philosophische Frage herum konstruiert hat, sondern diese als Rechtfertigung für all die ausufernde Gewalt benutzt. Als Zuschauer muss man sich fragen, ob man wegen eines interessanten Endes wirklich die ersten 90 Minuten über sich ergehen lassen will.

4/10

Advertisements