The Double Hour (La Doppia Ora)

„La doppia ora“ habe ich auf dem Filmfest München gesehen; im Jahr zuvor lief das Mystery-Drama schon bei den Filmfestspielen von Venedig. Hauptdarstellerin Ksenia Rappoport wurde dort als beste Darstellerin ausgezeichnet. Tatsächlich trägt sie wesentlich dazu bei, dass der Film, ein auf den ersten Blick wüster Genre-Mix zwischen Drama, Krimi, Horror, Mystery und Liebesgeschichte, größtenteils gut unterhält.

Worum geht es? Sonia (Ksenia Rappoport) arbeitet als Zimmermädchen in Turin. Beim Speed-Dating lernt sie Guido (Filippo Timi) kennen, einen Witwer und ehemaligen Polizisten, der nun als Wachmann arbeitet. Die beiden werden recht schnell ein Pärchen. An Guidos Arbeitsplatz werden sie allerdings ausgeraubt. Als Guido versucht, Sonia vor einer Vergewaltigung zu schützen, wird er erschossen und stirbt. Sonia muss mit dem Verlust und ihrer Trauer klarkommen; gleichzeitig beginnt sie, an ihrem Verstand zu zweifeln: Immer wieder sieht sie Guido, vorzugsweise zur „doppelten Stunde“, in ihrer Wohnung oder auch auf Computerbildschirmen.

Zu eben dieser „doppia ora“, also dem Zeitpunkt, an dem die Stunden- der Minutenzahl entspricht (z. B. 12:12 Uhr), darf man sich laut Guido etwas wünschen. (Auch wenn dieser Wunsch in der Regel nicht erfüllt wird.) Warum diese Uhrzeiten allerdings so wichtig sind, dass sie gleich den Filmtitel darstellen, erschloss sich mir nicht. Mit dem Mystery-Anteil (oder gar dessen Auflösung) haben sie schließlich auch nicht viel zu tun. Der Regisseur Capotondi meint im Presseheft dazu:

„… the double hour of the title marks the meeting between Sonia and Guido, two lonely and very similar characters. A meeting that could help them forget their past and begin a new life. A meeting that will leave an indelible trace on their lives.“

Die einsame 12 trifft also auf die ebenso einsame 12, wodurch sich das Leben der beide 12en schlagartig verändert. Sicher. Auch wenn der Titel also wohl nicht viel mehr als ein plumper Aufhänger für den Film ist, überzeugen doch andere Aspekte: Untypisch für ein im Mystery-Genre angesiedeltes Werk, überzeugen die Charaktere und sind allein schon interessant genug, um dem Film eine gewisse Grundspannung zu geben. Die übernatürliche Geschichte ist ebenso wirkungsvoll und sorgt auch für einige Schreckmomente. Die dazugehörige Auflösung, der obligatorische große Twist, ist zwar nicht übermäßig einfallsreich, funktioniert aber doch recht gut. Das Problem ist aber, dass diese Auflösung schon nach etwa einer Stunde erfolgt. In der restlichen Zeit ist „La doppia ora“ dann eher ein Drama um Schuld und Vergebung. Aufgrund der interessanten Charaktere ist zwar auch das zu keinem Zeitpunkt langweilig, ein bisschen enttäuscht war ich aber dennoch: Meine Hoffnung, dass die Elemente des Mystery-Mittelteils noch aufgegriffen und fortgeführt werden, wurde schließlich enttäuscht.

Insgesamt war „La doppia ora“ von Anfang bis Ende unterhaltsam, was nicht zuletzt an den hervorragenden Darstellern liegt. Vollkommen überzeugt bin ich aber dennoch nicht.

7/10

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