Inception

Wenn Hollywood einen neuen Blockbuster produziert, bekommt der Zuschauer in der Regel Comic-Adaptationen, Fortsetzungen oder Remakes zu sehen. Wagnisse werden kaum mehr eingegangen. Nach dem überragenden Erfolg von „The Dark Knight“, bekam Regisseur Christopher Nolan für sein nächstes Werk quasi einen Blankoscheck. Und so gibt es endlich einmal wieder einen großen Actionfilm, der nicht nur mit Effekten um sich wirft, sondern auch eine originelle Grundidee hat.

Dominic Cobb (Leonardo DiCaprio) ist hauptberuflich Dieb – er stiehlt gemeinsam mit seinem Kollegen Arthur (Joseph Gordon-Levitt) geheime Informationen aus den Träumen seiner Opfer. Der reiche Saito (Ken Watanabe) engagiert Cobb, allerdings um eine „Inception“ vorzunehmen; er soll Robert Fischer (Cillian Murphy), dem zukünftigen Besitzer Saitos Konkurrenzunternehmen, eine Idee ins Unterbewusstsein einpflanzen, die ihn dazu veranlasst, seine Firma zu zersplitten. Für den gefährlichen Versuch dieser Inception stellt sich Cobb ein fähiges Team zusammen, bestehend aus Eames (Tom Hardy, Tinker Tailor Soldier Spy), einem Fälscher, der im Traum Identitäten anderer Personen annehmen kann, Ariadne (Ellen Page), einer Traum-Architektin und Yusuf (Dileep Rao), einem Chemiker, der dafür sorgt, dass die Träumenden lange genug sediert sind. Auf seiner Reise durch verschiedene Traumebenen begegnet Cobb immer wieder seiner Frau Mal (Marion Cotillard, Rust and Bone). Diese ist eigentlich schon gestorben; Cobb kann sich in seinen Träumen allerdings nicht von ihr lösen und bringt damit das ganze Team in Gefahr.

Die Geschichte von „Inception“ ist auf den ersten Blick recht komplex. Nolan nimmt sich allerdings etwa das erste Drittel des Films Zeit dafür, dem Zuschauer die Regeln seines Filmuniversums zu erklären. Die Figur der Ariadne scheint nur dafür geschrieben worden zu sein, um zwischendurch Fragen zu stellen, die dem ein oder anderen Zuschauer wohl gerade auf der Zunge liegen.

Die Inszenierung ist über die 2,5 Stunden Laufzeit stetig rasant. Der Film fesselt damit zwar über die gesamt Laufzeit; ruhige, emotionale Moment kommen dadurch aber manchmal zu kurz. Diese Momente gibt es vor allem zwischen Cobb und Mal. Die Beziehung der beiden ist der emotionale Anker des Films. Mit DiCaprio und Cotillard hat Nolan die richtigen Schauspieler gefunden, um die komplexen, gebrochenen Charaktere darzustellen. Alle anderen Darsteller überzeugen in ihren Rollen zwar ebenso; als Charaktere bleiben sie allerdings blass. Sie sind Beiwerk, das die Handlung voran bringt.

Ein großer Teil der Faszination von „Inception“ geht von den visuell beeindruckenden Traumwelten aus. Nolan macht es sich (und vor allem dem Publikum)  hier allerdings einfach, in dem er die Träume linear und logisch gestaltet. Hier gefällt mir zwar der Ansatz von David Lynch (Mulholland Dr.) besser, allerdings wäre es wohl zu viel verlangt, Träume hier ähnlich verwirrend und mysteriös darzustellen.

„Inception“ ist ein Action-Film mit einer interessanten Ausgangsidee, guten Effekten, einer spannenden Handlung – und doch nicht das Meisterwerk, das man vermutet, wenn man dem Hype glaubt. Die hohe Wertung des Films bei imdb – im Moment auf Platz 3 der besten Filme aller Zeiten – kann ich nicht ganz nachvollziehen. An manchen Stellen hatte ich das Gefühl, dass Nolan den einfachen Weg einschlägt (Natürlich ist Saito reich genug, um eine ganze Airline zu kaufen, so dass das Vorhaben leicht durchgeführt werden kann.), an anderen Stellen wurden plump die Schauwerte des Films gesteigert (Muss Cobbs Team wirklich auf der ganzen Welt zusammengesucht werden?). Zudem nervt Hans Zimmers übertrieben dramatische Musik oftmals und zerstört die Atmosphäre eher als sie zu unterstützen.

Nichtsdestotrotz unterhält „Inception“ blendend und lässt mich ein bisschen hoffnungsvoller in die Zukunft des großen Blockbuster-Kinos blicken.

8/10

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