Map of the Sounds of Tokyo

Isabel Coixets (My Life Without Me) neuester Film lebt von seiner Atmosphäre: Nicht nur die im Titel angesprochenen Klangwelten tragen dazu bei, sondern auch die schön komponierten Bilder Tokios. Ob diese dem realen Stadtleben entsprechen, darf sicherlich bezweifelt werden; ihre Wirkung im Film erzielen sie trotzdem. Das Problem an „Map of the Sounds of Tokyo“ ist dabei eher die Handlung:

Nachdem sich die Tochter des Geschäftsmannes Nagara (Takeo Nakahara) das Leben genommen hat, heuert dieser die Auftragsmörderin Ryu (Rinko Kikuchi, oscarnominiert für „Babel“) an – sie soll David (Sergi López), den Lebenspartner von Nagaras toter Tochter, umbringen, da Nagara ihm die Schuld an ihrem Selbstmord gibt. Ryu verliebt sich allerdings in den Spanier David, obwohl dieser ihr klar macht, dass er sie nur als Ersatz für seine verstorbene Geliebte braucht.

Die reichlich abgedroschene Ausgangssituation – Killerin verliebt sich in ihr nächstes Opfer – kann man verzeihen, wenn die Charaktere interessant genug sind. Das sind sie in Coixets Film zunächst auch: Ryu und David leben an der Welt vorbei, sie sind einsam und wissen nicht, wie ihr Leben weitergehen soll. Und obwohl sie scheinbar viel verbindet, können sie sich gegenseitig doch nicht genug Halt in der Welt geben.

Gerade Ryu ist zudem sehr verschlossen: Ob ihre Eltern leben, wie sie tatsächlich heißt, warum sie überhaupt eine Auftragsmöderin geworden ist – alles bleibt dem Zuschauer verborgen. Zu Beginn hilft das zwar, Interesse zu wecken; gegen Ende wird man als Zuschauer jedoch etwas frustriert zurückgelassen, weil durch die fehlende Informationen auch die Handlungsmotivationen der Charaktere unklar bleiben.

Der Erzähler des Films – der einzige Freund Ryus, der Gespräche mit ihr aufzeichnet und beruflich die verschiedensten Klänge und Töne, unter anderem die der Stadt Tokio, aufzeichnet – scheint zwar allwissend zu sein (er weiß am Ende des Films, wie David sein Leben fortführt, obwohl er ihn nie getroffen hat), weiß aber über Ryu auch nichts. Warum die Freundschaft der beiden überhaupt besteht, obwohl Ryu ihn meistens nur anschweigt, ist mir ein Rätsel.

Den Kinosaal habe ich zwar etwas unzufrieden verlassen, dennoch haben es Coixet und ihre hervorragenden Schauspieler geschafft, mit Bildern und Klängen einen hypnotischen Sog der Einsamkeit und Verfremdung zu entwickeln. Das macht zwar noch keinen guten Film, „Map of the Sounds of Tokyo“ ist aber auch weit davon entfernt, ein schlechter Film zu sein.

6/10

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