Pieces Of April

„Pieces Of April“ ist das Regiedebüt von Peter Hedges, der sich für die Drehbücher von „Gilbert Grape“ und „About A Boy“ verantwortlich zeigte. Obwohl mit billigsten Mitteln produziert (Angaben schwanken zwischen 100.000 und 300.000 $), konnte er doch eine ordentliche Darstellerriege vor seiner Digitalkamera versammeln.

Überraschend ist vor allem die Wahl Katie Holmes, die die Titelrolle der April Burns mimt. April ist eine Punkerin, die ein unkonventionelles Leben in mit ihrem Freund Bobby (Derek Luke) New York führt. Mit ihrer Familie ist sie zerstritten; gerade ihre Mutter Joy (Patricia Clarkson) hält nicht viel von Aprils Lebensstil. Trotzdem macht sich Sippschaft auf den Weg nach New York, um Thanksgiving mit dem schwarzen Schaf der Familie zu feiern.

Der Zuschauer begleitet über die kurze Laufzeit von nicht einmal 80 Minuten die chaotischen Vorbereitung von April, die zum ersten Mal in ihrem Leben Truthahn zubereitet und die Fahrt der restlichen Familie nach New York. Diese Anreise erweist sich als besonders interessant: Joy leidet an Brustkrebs und wird daran auch sterben. Mit ihrer Krankheit kann sie allerdings nicht gut umgehen. In einem Augenblick will sie im Mittelpunkt stehen, alles muss sich um sie drehen; im nächsten Moment ist die von der ganzen Fürsorge genervt und geradezu bösartig zu ihrer Familie.

Dass die Figur trotzdem noch liebenswert erscheint, ist der großartigen Patricia Clarkson zu verdanken. Seit Jahren ist sie auf Independent-Filme und Nebenrollen (Martin Scorseses Shutter Island, Woody Allens „Vicky Cristina Barcelona“ und „Whatever Works“, Station Agent, Alan Balls geniale TV-Serie „Six Feet Under“) abonniert, in denen sie regelmäßig den Rest des Casts überstrahlt. Für ihre Darstellung in „Pieces Of April“ erhielt sie ihre erste Oscarnominierung. Die übrigen Schauspieler können mit Clarkson zwar nicht ganz mithalten, überzeugen in ihren Rollen aber dennoch. Sogar Katie Holmes nimmt man die Punkerin ab.

Obwohl „Pieces Of April“ so kurz ist, schafft es Hedges nicht, einige Längen zu vermeiden. Vor allem die Szenen mit Bobby, der in ganz New York irgendwelche Besorgungen macht, haben mich nur genervt. Das Ende dagegen ist etwas zu abrupt geraten: Eine Fotomontage ist zwar eine nette Idee; als Drehbuchautor wählt man damit aber einen besonders einfachen Weg, die Konflikte der Charaktere zu einem Abschluss zu bringen.

Perfekt ist „Pieces Of April“ sicherlich nicht. Wenn man sich aber auf den billigen Look einlassen kann, bekommt man ein unterhaltsames Independent-Filmchen mit guten Darstellern und einem schönen Soundtrack von „The Magnetic Fields“-Sänger Stephin Merritt präsentiert.

7/10

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