Toy Story 3

Neben Inception ist „Toy Story 3“ ein weiterer Film, der in diesem Jahr einen der vordersten Plätze der imdb Top 250 erringen konnte – im Moment befindet er sich auf Platz 12 der besten Filme aller Zeiten. Meine Erwartungen waren dennoch nicht allzu hoch; die ersten beiden Toy Stories habe ich zuletzt vor Jahren gesehen und fand sie auch gut – in besonderer Erinnerung sind sie mir trotzdem nicht geblieben. Dass mich Teil drei so blendend unterhält und sich als einer der gelungensten Animationsfilme überhaupt herausstellt, hat mich also doch sehr überrascht.

Die Idee, dass Andy, der Besitzer der Spielzeuge, mit den Zuschauern über die Jahre („Toy Story“ liegt mittlerweile schon 15 Jahre zurück) altert, erwies sich als goldrichtig. Woody, Buzz und Co stehen vor einem Problem: Andy geht aufs College, seine Spielsachen braucht er nicht mehr. Nur Woody will er bei seinem Umzug mitnehmen. Die anderen landen in der Kindertagesstätte Sunnyside, die sich als reinste Spielzeughölle erweist, in der Woodys Freunde von den kleinsten Kinder stark ramponiert werden. Woodys Mission lautet also: Freunde retten! Da sich unter den Spielsachen in Sunnyside über die Jahre eine regelrechte Diktatur entwickelt hat, erweist sich der Ausbruch aus der strengstens überwachten Anlage aber gar nicht als so einfach.

„Toy Story 3“ schafft es, Humor, Spannung und Emotionen ziemlich perfekt zu verbinden. Zwar ist die Gagdichte nicht astronomisch hoch, dafür sind die Witze wirklich gelungen. Der meiste Spaß ergibt sich aber ohnehin aus den unzähligen Details. Jedes der Spielzeuge ist so liebevoll gestaltet, dass es die reinste Freude ist, jede Kleinigkeit auf der Leinwand zu entdecken. Die Währung im Kinderparadies scheint Monopoly-Geld zu sein; Barbie himmelt Ken an, der sowohl das „Dream House“, als auch eine ausgeprägte Kleidersammlung sein Eigen nennen darf. Wie in einem Horrorfilm wird die Kindertagesstätte/das Gefängnis Sunnyside mit bedrohlicher Musik und einem schrecklichen Gewitter vorgestellt. Die Flucht der kleinen Helden wird auch reichlich spannend gestaltet. Schließlich werden sie sogar mit dem Tod konfrontiert. In einem Disney/Pixar-Film kann man zwar erwarten, dass niemandem etwas zustoßen wird, mitgefiebert habe ich aber trotzdem. Die emotionales Basis von „Toy Story 3“ ist das Gefühl der Charaktere, nicht mehr gebraucht zu werden. Wie es sich für einen Kinderfilm gehört, wird hier der Zusammenhalt unter Freunden als Lösung der Probleme nahegelegt. Das geht soweit auch in Ordnung, das Ende des Films ist dann aber doch extrem kitschig geworden. Die Macher wollten hier wohl nochmals auf die Tränendrüse drücken, übertreiben es aber ein bisschen.

Der etwas zu rührselige Abschluss ist aber auch der einzige Kritikpunkt. „Toy Story 3“ unterhält perfekt, wirkt extrem liebevoll gemacht und überzeugt durch sympathische Charaktere und Detailverliebtheit. Viel schöner könnte ein Sonntagmittag im Kino wohl nicht sein.

9/10

Advertisements