Cairo Time

„Cairo Time“ wurde auf dem Filmfest München gezeigt und konnte schon ein Jahr zuvor auf dem Toronto Film Festival den Preis als bester kanadischer Film gewinnen. Große Chancen, dass es „Cairo Time“ auch regulär in die deutschen Kinos schafft, gibt es wohl nicht. Dabei sollten die wunderschönen Bilder genau dort genossen werden.

Die Handlung des Films zu beschreiben fällt schwer, denn viel Handlung gibt es nicht: Juliette (Patricia Clarkson) reist nach Kairo, um sich mit ihrem Mann, einem Mitarbeiter der UN zu treffen. Dieser sitzt jedoch am Gaza-Streifen fest und hat seinen Freund und ehemaligen Mitarbeiten Tareq (Alexander Siddig) gebeten, sich um Juliette zu kümmern. Zwischen den beiden entwickelt sich eine Liebesgeschichte, nein, eher eine zarte Romanze, etwas teilweise kaum vorhandenes und doch für den Zuschauer ständig wahrnehmbares.

Bis es soweit kommt, besteht „Cairo Time“ von Regisseurin Ruba Nadda aber vor allem aus zwei Aspekten: Kairo und Patricia Clarkson. Beide sind großartig. Ob Kairo tatsächlich so ist, wie im Film dargestellt, kann ich nicht beurteilen. Nadda präsentiert aber ein lebhaftes, fesselndes, faszinierendes Bild einer pulsierenden Metropole. Clarkson, mittlerweile 50 Jahre, ist wohl die einzige Schauspielerin, der ich liebend gerne zusehe, wie sie die Eindrücke dieser so fremden Stadt auf sich wirken lässt. (Bitte mehr Hauptrollen für diese Frau!) Sie ist es, die im Zusammenspiel mit der Stadt Kairo, den sehr langsamen, ereignisarmen Film zu einer fesselnden, geradezu hypnotischen Erfahrung macht.

„Cairo Time“ entspricht einem „Was wäre wenn“-Szenario: Juliette ist eine glücklich verheiratete Frau und trotzdem findet sie sich in dieser unterdrückten Romanze wieder. Sie beginnt Kairo zu genießen, malt sich ein Leben in der Stadt aus, vielleicht sogar mit Tareq. Doch kann diese Urlaubserfahrung zum dauerhaften Lebensentwurf werfen? Soll man eine Romanze überhaupt zulassen? Diese Fragen muss sich Juliette und mit ihr der Zuschauer stellen.

Auch wenn „Cairo Time“ sicherlich seine Mängel hat (würde eine Journalistin wirklich derart unvorbereitet in eine so fremde Stadt reisen?) und das langsame Tempo des Films einige abschrecken wird, ist die Atmosphäre, die durch die Bilder, die wunderschöne Musik und die hervorragende Hauptdarstellerin erzeugt wird, ziemlich einmalig.

8/10

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