Two Lovers

„Two Lovers“ – der Titel lässt eine üble Schnulze vermuten. James Gray präsentiert stattdessen aber ein mit hervorragenden Schauspielern besetztes Drama um Liebe, Einsamkeit und Depressionen.

Leonard (Joaquin Phoenix) wurde von seiner Verlobten verlassen und hat seitdem schon einige Selbstmordversuche hinter sich. Er wohnt wieder in dem Kinderzimmer seiner Eltern (Isabella Rossellini und Moni Moshonov) und arbeitet in der Wäschereinigung seines Vaters. Ein paar Stunden nach seinem letzten Versuch, sich das Leben zu nehmen, stellen ihm seine Eltern Sandra (Vinessa Shaw) vor. Sandra wirkt bodenständig und gesteht Leonard nicht nur ihre Liebe, sondern verspricht auch, für ihn zu sorgen. Doch Leonard lernt zur gleichen Zeit auch Michelle (Gwyneth Paltrow) kennen. Sie erscheint ihm wild und aufregend. Auch als er erkennen muss, dass sie seit längerer Zeit eine Affäre mit einem verheiratetem Mann (Elias Koteas) hat, sieht er in Michelle doch seine große Liebe. Leonard schwankt in seiner Einsamkeit zwischen einer Frau, die ihn liebt und für ihn sorgen will, und einer, die noch mehr Probleme hat als er selbst. Und obwohl Michelle nicht gut für ihn ist, kann er sich nicht von ihr loslösen.

Die Ausgangssituation von „Two Lovers“ klingt also schon vielversprechend. Gray hat zudem einen optisch wunderschönen Film abgeliefert: Die Bilder im winterlichen New York strahlen Kälte und Unbehaglichkeit aus und unterstützen das Innenleben der Figuren hervorragend. Auch die Schauspieler lassen nichts zu wünschen übrig. Vor allem Joaquin Phoenix gibt Leonard mit einer ungeheuren Intensität und macht den Film dadurch schon sehenswert.

Begeistert bin ich von „Two Lovers“ dennoch nicht. Während Gray mit den Depressionen von Leonard und dem Drogenmissbrauch Michelles angenehm subtil umgeht, wäre an anderen Stellen ein bisschen mehr Zurückhaltung wünschenswert gewesen: Der Selbstmordversuch als Einstieg erzeugt sicherlich Aufmerksamkeit; dass Leonard allerdings am selben Abend direkt von seinen Eltern verkuppelt wird, wirkt doch etwas unglaubhaft.

Auch weiß ich nicht, was ich vom Ende des Film halten soll (Achtung, Spoiler!): Leonard entscheidet sich für Michelle, will ihr gar einen Heiratsantrag machen. Michelle jedoch geht zurück zu Ronald, dem verheirateten Mann. Leonard kehrt daraufhin zu Sandra zurück und plant nun, sie zu heiraten. Scheinbar hat er sich dazu entschlossen, geliebt zu werden. Ob er glaubt, dadurch glücklich zu werden, erfährt der Zuschauer nicht. Dass sich Leonard am Abend, an dem er von Michelle, seiner großen Liebe, verlassen wird, dann einfach für Sandra entscheidet, kann ich allerdings nur schwer nachvollziehen. Hat er innerhalb von ein paar Stunden begriffen, dass er in erster Linie für sich selbst sorgen muss? Hat er verstanden, dass es wichtiger für ihn ist, selbst glücklich zu werden, als die Probleme von so kaputten Menschen wie Michelle auf sich zu bürden? Falls er diese Wandlung am Ende tatsächlich gemacht hat, geht das reichlich schnell; immerhin hatte er nach dem Verlust seiner letzten großen Liebe einige Selbstmordversuche hinter sich. (Spoiler Ende!)

„Two Lovers“ lässt mich zwiegespalten zurück: Die Inszenierung ist stimmungsvoll, die Schauspieler hervorragend. Da die Figuren und ihre Handlungen für mich stellenweise nicht nachvollziehbar waren, wurden meine Erwartungen aber doch ein bisschen enttäuscht.

6/10

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