Inglourious Basterds

„We’re gonna be doin‘ one thing and one thing only… killin‘ Nazis!“

Die Mission des amerikanischen Lieutenants Aldo Raine (Brad Pitt) und seinem Team, den Basterds, im von Deutschland besetzten Frankreich des Jahres 1944 ist klar: Nazis töten! So viele wie möglich, so brutal wie möglich. Zusammen mit dem Engländer Lt. Archie Hicox (Michael Fassbender) und der deutschen Schauspielerin Bridget von Hammersmark (Diane Kruger), welche als Agentin für die Alliierten arbeitet, wollen sie die Filmpremiere des Propagandafilms „Stolz der Nation“ nutzen, um Hitler (Martin Wuttke), Goebbels (Sylvester Groth) und Co zu töten. Besagte Premiere soll im Pariser Kino der Jüdin Shosanna Dreyfus (Mélanie Laurent) stattfinden. Shosanna, die mittlerweile unter dem Decknamen Emmanuelle Mimieux lebt, ist vor Jahren als einzige ihrer Familie dem SS-Standartenführer Hans „Jew Hunter“ Landa (Christoph Waltz) entkommen, der bei der Filmpremiere ebenfalls anwesend sein wird. Auch sie plant, die Nazis zu töten: Am Premierenabend will sie ihr Kino niederbrennen.

Statt einer in Filmtrailern angedeuteten Action- und Gewaltorgie präsentiert Tarantino vor allem ausgefeilte Dialoge. Er nimmt sich Zeit für seine Charaktere und verleiht ihnen so Profil. Die Einführung von Hans Landa im ersten Kapitel des Films ist gerade deshalb so gelungen, weil die Gewalt, in diesem Fall das Töten der sich versteckenden Juden, nur Nebensache ist. Landa geht es weniger um das Verfolgen der Juden – Shosanna lässt er entkommen, auch mit der Nazi-Ideologie scheint nicht allzu sehr verbunden zu sein; schon die Eröffnungsszene (und später das Treffen mit Bridget von Hammersmark) zeigt, dass er vor allem spielen will. Das Spiel mit der Angst seines Gegenübers bereitet ihm die reinste Freude und scheint die Hauptmotivation für sein Handeln zu sein. Während Landa die Juden mit Ratten vergleicht, scheint er die Katze zu sein: Er spielt mit seinen Opfern; dass sie sterben, ist einfach eine logische Konsequenz.

Die weiteren Kapitel von „Inglourious Basterds“ sind ebenso hervorragend geschrieben. In „Operation Kino“ lässt Tarantino die Charaktere „Wer bin ich?“ spielen: Jeder bekommt einen Zettel an die Stirn geklebt, auf dem der Name einer berühmten Person steht. Es gilt mit so wenigen Fragen wie möglich zu erraten, wer man ist. Das scheinbar belanglose Spiel einer Gruppe Betrunkener ist ein genialer Einfall, die beteiligten Figuren zu charakterisieren. Tarantino nimmt sich dafür mehr als 15 Minuten Zeit, nur um sofort darauf nahezu alle Figuren zu töten. Er spielt mit den Erwartungen der Zuschauer – und zumindest mir gefällt das.

Der Höhepunkt ist schließlich das Zusammentreffen aller Figuren im finalen Kapitel „Revenge Of The Giant Face“. Tarantino schreibt die Geschichte des Zweiten Weltkrieges um und legt den Handlungsort dabei in ein Kino. Schon zuvor ist der Film durchzogen von Anspielungen auf Leni Riefenstahl oder Regiegröße G. W. Pabst. Im Finale aber bekommt das Kino sogar die Macht, Geschichte zu schreiben: Durch das Starten des Filmprojektors wird der Untergang des Dritten Reiches in Gang gesetzt.

Auch wenn „Inglourious Basterds“ vor allem mit Brad Pitt beworben wurde (er bleibt vergleichsweise blass), ist der Star des Films doch eindeutig Christoph Waltz. Sein viersprachiger Hans Landa ist einer der gelungensten Filmbösewichte der letzten Zeit. Aus dem großen Cast sticht auch Mélanie Laurent (Beginners) hervor. Ihre Verwandlung zur femme fatale zelebriert Tarantino mit passender Musik und extremen closeups auf Augen, Lippen und Beine. Ihre Shosanna ist die emotionale Basis des Films. Besonders negativ fällt dagegen Diane Kruger auf. Dem deutschen Hollywood-Sternchen kommt jede Zeile dermaßen hölzern und gestellt über die Lippen, dass es teilweise eine Qual ist, ihr zuzusehen. Sicherlich muss sich ihre Figur über einen Großteil des Films verstellen, aber gerade als Schauspielerin, wie sie Bridget von Hammersmark ist, sollte das doch besser möglich sein.

Bis auf Diane Kruger ist „Inglourious Basterds“ ein ziemlich perfekter Film. Es drängt sich förmlich auf, ein Zitat für die Bewertung zu benutzen: „That’s a bingo!“

9/10

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