Scream 2

Nach dem Erfolg von Scream war die Fortsetzung nur eine Frage der Zeit. Etwa ein Jahr nach Erscheinen des Originals kam „Scream 2“ auch schon in die amerikanischen Kinos. Viel Zeit für ein ausgefeiltes Drehbuch blieb Kevin Williamson also nicht und das merkt man dem Film auch an: Während der Handlungsverlauf größtenteils überzeugt, haben sich in einzelne Szenen viele ärgerliche Logikfehler eingeschlichen.

„Scream 2“ ist zwei Jahre nach den tragischen Ereignissen in Woodsboro angesiedelt. Sidney (Neve Campbell) besucht ein College und versucht, ein normales Leben zu führen. Bei einer Vorpremiere des Films „Stab“, der auf Gale Weathers (Courteney Cox) Buch über die Morde aus Teil eins basiert, werden zwei Studenten mitten im Kino brutal ermordet. Könnte der Mörder Cotton Weary (Liev Schreiber) sein, der aufgrund Sidneys Aussage wegen des Mordes an ihrer Mutter ein Jahr lang unschuldig im Gefängnis saß?

Positiv hervorzuheben ist, dass „Scream 2“ auf Kontinuität achtet: Es finden sich Anspielungen auf den ersten Teil, die Überlebenden aus „Scream“ sind alle wieder mit dabei und die Story um Cotton Weary, die im ersten Teil schon angedeutet wurde (Liev Schreiber hatte sogar einen Kurzauftritt von einigen Sekunden in Teil eins), wird konsequent fortgeführt. Auch sind die Dialoge wieder gelungen: So erklärt Filmnerd Randy (Jamie Kennedy) erklärt sehr treffend, dass in der Fortsetzung eines Horrorfilms die Zahl der Toten immer höher sein muss als im Original.

Highlights sind die Ausschnitte aus „Stab“, der Verfilmung der Woodsboro-Ereignisse. Sidney antwortet in „Scream“ auf die Frage, von wem sie wohl in einem Film gespielt werden würde mit „with my luck I’d get Tori Spelling“ – und tatsächlich übernimmt Tori Spelling die Rolle der Sidney. Für weitere witzige Mini-Szenen aus „Stab“ konnten Heather Graham und Luke Wilson verpflichtet werden.

„Scream 2“ hat allerdings in fast jeder Jagdszene zwischen Killer und Opfer grobe Logikfehler, die im ersten Teil zumindest noch nicht so stark aufgefallen sind. Schon in der Eröffnungsszene im Kino – welche weniger gelungen ist als die des ersten Teils – ist es pures Glück, dass das Opfer überhaupt auf die Toilette geht und dann auch noch genau die Kabine neben der des Mörders benutzt. Auch die (an sich extrem spannende) Szene im Polizeiwagen macht keinen Sinn: Nur durch die rote Ampel konnte der Mörder zum Auto gelangen. Da sonst kein Auto auf offener Straße zu sehen war, hätten die Polizisten den sich nähernden Killer unmöglich übersehen können.

Natürlich ist es etwas pedantisch, diese kleinen Fehler zu bemängeln; wenn sie sich aber so häufen, wie in „Scream 2“, ist das schon ein Zeichen für ein schlampiges Drehbuch. Noch stärker ist mir aufgefallen, dass sich die Figuren ständig an Orten aufhalten, an denen sie eigentlich nicht sein sollten: Nach dem Mord an ihrer besten Freundin läuft Sidney in das Uni-Theater – und das mitten in der Nacht. Natürlich ist das ein schöner Ort für das Finale des Films, handlungstechnisch ist das allerdings eine Katastrophe. Wen erwartet sie dort zu finden? Warum läuft sie nicht zur Polizei oder zumindest zu einem Telefon? Das Finale an sich will aufregender und verrückter sein als das von „Scream“ und ist gerade dadurch nicht mehr ganz so wirkungsvoll.

„Scream 2“ ist trotz aller Mängel ein extrem unterhaltsamer Slasher-Film. Wie ein paar Charaktere im Film aber schon richtig feststellen: Fortsetzungen sind eben selten so gut wie das Original.

5/10

Die beste Dialogzeile:

„What’s your favorite scary movie?“
Showgirls. Absolutely frightening. What’s yours?“

Siehe auch Scream 3 und Scream 4

Advertisements