Uncle Boonmee Who Can Recall His Past Lives (Loong Boonmee Raleuk Chat)

„Uncle Boonmee Who Can Recall His Past Lives“, so der englische Titel des neuesten Film des thailändischen Regisseurs Apichatpong Weerasethakul, hat in Cannes die Palme D’Or – den Hauptpreis – gewonnen. Durch die Auszeichnung bekommen nun auch in Deutschland einige Kinobesucher „Uncle Boonmee“ zu sehen. Wie viele mit dem Film allerdings etwas anfangen können bleibt fraglich – in dem Kino, das ich besucht habe, verließen immerhin fünf Zuschauer den Saal.

Die Handlung – falls man das Geschehen so nennen kann – dreht sich um Uncle Boonmee (Thanapat Saisaymar), der wegen einer Nierenerkrankung kurz vor seinem Tod steht. Seine Schwägerin Jen (Jenjira Pongpas) und sein Neffe Tong (Sakda Kaewbuadee) kümmern sich in dieser schweren Zeit um ihn. Auch seine verstorbene Frau und sein eigentlich längst verschollener Sohn, der mittlerweile ein Affengeist ist, gesellen sich zu Boonmee.

Was beim ersten Lesen nach einem Filmemacher auf Drogen wirkt, inszeniert Weerasethakul mit einer schon ziemlich amüsanten Selbstverständlichkeit. Als beim Abendessen plötzlich der verlorene Sohn als Affengeist auftaucht (in einem recht billigen Kostüm), fragt Jen nur, warum er sich die Haare so lange hat wachsen lassen.

Weerasethakul schreibt, er glaube an „Seelenwanderung zwischen Menschen, Pflanzen, Tieren und Geistern.“ So scheint die Grenze zwischen den unterschiedlichen Formen in „Uncle Boonmee“ auch nicht mehr zu existieren. Die titelgebenden Erinnerung an vergangene Leben eröffnen sich mir nicht sofort. In einer Sequenz wird eine Prinzessin gezeigt, die schließlich Sex mit einem Fisch hat. War Uncle Boonmee früher die Prinzessin? Oder gar der Fisch? Vermutlich ist das egal. Weerasethakul schreibt weiterhin, dass sich die Erinnerung der Zuschauer beim Genuss eines Films durch „eine weitere, wenn auch simulierte Schicht“ erweitert. Der Prozess des Filmmachens sei also eine „Zeitmaschine“, man könne „künstliche vergangene Leben erschaffen.“

Für einige scheint diese Zeitmaschine hervorragend funktioniert zu haben. Tim Burton (Alice In Wonderland, Sweeney Todd, Sleepy Hollow, Edward Scissorhands), Jurypräsident in Cannes 2010 und verantwortlich für die Auszeichnung mit dem Hauptpreis des Festivals, fühlte sich beim Anschauen immerhin „wie in einem wunderschönen Traum“. Für einen schönen Traum waren mir die Kameraeinstellung zu lang und das Gesehene zu belanglos. Muss ich als Zuschauer wirklich eine Minute lang (ohne Bewegung der Kamera) sehen, wie sich ein Mann duscht? Will Weerasethakul seine zunächst abstruse Geschichte dadurch in der Realität verankern? (Immerhin scheint Seelenwanderung für ihn ja Teil der Realität zu sein.) Vielleicht gelingt ihm diese Verankerung; langweiliger Alltag bleibt allerdings langweiliger Alltag, auch wenn er der Realität wegen gezeigt wird.

Tod, Seelenwanderung, Politik (das Töten von Kommunisten in Thailand ist ein weiteres Thema) – „Uncle Boonmee“ ist sicherlich ein ambitionierter Film. Und scheinbar schafft es Weerasethakul auch teilweise, die gewünschte Wirkung beim Publikum zu erzielen. Ich habe allerdings kein Zugang zum Film gefunden und blieb enttäuscht zurück.

3/10

Advertisements