2 Days In Paris

„2 Days In Paris“ stellte nicht nur Julie Delpys (Before Sunrise, Before Sunset) Regiedebüt dar; sie übernahm auch die Hauptrolle, schrieb das Drehbuch und war für Schnitt und Musik verantwortlich. Stellenweise wirkt das Ergebnis zwar wie eine Kopie eines Woody-Allen-Films; wenn die Kopie allerdings so gelungen ist, soll das erlaubt sein.

Marion (Delpy) und Jack (Adam Goldberg) sind seit zwei Jahren ein Paar. Sie ist Fotografin, er Designer. Nach ihrem Urlaub in Venedig machen sich die beiden auf den Heimweg Richtung New York, inklusive Abstecher in Paris, um Marions Kater Jean-Luc von ihren Eltern (dargestellt von Delpys wirklichen Eltern Marie Pillet und Albert Delpy) abzuholen. In Paris hat Jack nicht nur Probleme mit der Sprachbarriere und seiner Hypochondrie, sondern auch mit den Franzosen an sich: Sie scheinen sich entweder über Sex zu unterhalten oder sich über ihnen lustig zu machen. Noch dazu begegnen dem Paar immer mehr Männer, die sich als Ex-Freunde von Marion herausstellen. Jack wird zunehmend misstrauischer und versteht nicht, was um ihn herum geschieht, muss sich aber mit einem „Everything’s Fine“ von Marion zufrieden geben.

Die Konstellation „Pärchen in Metropole“ klingt nach „Lost in Translation“ oder einem weiterem Nachfolger zu „Before Sunrise“. Delpy interessiert sich aber weniger für die interkulturelle Schwierigkeiten (auch wenn dadurch viel Humor entsteht) oder die Einsamkeit in solch einer großen, fremden Stadt; noch will sie eine klassische Liebesgeschichte erzählen. Ihre Protagonisten sind eigentlich ständig am Streiten. Man sieht ihnen dabei zu, wie sie sich auf das Ende ihrer Beziehung hin bewegen.

Marion hat seit ihrer Geburt eine Sehstörung. Sie sieht die Welt nicht vollständig, sondern voller schwarzer Flecken. Ihre Mutter schenkt ihr deswegen eine Kamera, so dass sie alles fotografieren und die Dinge in Ruhe betrachten kann. Dass sie später Fotografin wird, ist also kein Zufall. In ihrem Urlaub besteht allerdings Jack darauf, die Fotos zu schießen. Jack kann die Welt um ihn herum zwar eigentlich sehen, doch er hat Probleme damit, die echte Marion wahrzunehmen und ihre gemeinsame Beziehung zu verstehen. Wahrnehmungsprobleme definieren „2 Days In Paris“: Nicht nur die Wahrnehmung einer fremden Kultur scheitert (Jack wird so schnell vermutlich nicht mehr nach Paris, einer scheinbaren Ansammlung unzähliger Verrückter, zurück wollen), auch die Beziehung von Marion und Jack scheint aufgrund unterschiedlicher Wahrnehmungen vor dem Ende zu stehen.

„2 Days In Paris“ bietet zwar keine Überraschungen im Plot, kann aber durch seine neurotischen Charaktere und ihre hervorragender Darsteller überzeugen. Delpy und ihrer Eltern überzeugen als liberale, freigeistige Pariser und Goldberg hat allein durch seinen verwirrten Dackelblick die Lacher auf seiner Seite. Julie Delpys Debüt ist nicht mehr und nicht weniger als eine ausgesprochen gelungene Komödie – und das gibt es ja auch nicht allzu häufig.

8/10

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