Memento

Seit „The Dark Knight“, spätestens jedoch seit Inception, gilt Christopher Nolan als Retter Hollywoods. Beide genannten Filme finde ich gut, jedoch überbewertet. „Memento“ stellt wohl Nolans Durchbruch in der Traumfabrik dar. Der von ihm geschriebene und inszenierte Film fand Zuspruch von Publikum und Kritikern. Wie die meisten seiner anderen Werke findet er sich in der imdb Top 250 wieder. Doch ist „Memento“ wirklich so gut wie sein Ruf?

Erzählt wird die Geschichte von Leonard (Guy Pearce), der seit der Vergewaltigung und Ermordung seiner Frau (Jorja Fox) an anterograder Amnesie leidet: Er kann sich zwar daran erinnern, wer er ist, aber keine neuen Informationen behalten. Gleichzeitig versucht er den Mörder seiner Frau zu finden, was in seinem Zustand natürlich nicht gerade einfach ist. Als Hilfe macht er Polaroid-Fotos von den Personen, denen er begegnet und tätowiert sich die wichtigsten Informationen auf seinen Körper. Unterstützt wird er bei seinen Nachforschungen von Natalie (Carie-Anne Moss) und Teddy (Joe Pantoliano), wobei er beiden auch nicht vollständig trauen kann.

Das besondere an „Memento“ ist die Erzählweise: Der Film beginnt am Schluss. Wir sehen, wie Leonard Teddy erschießt. Von da wird „Memento“ quasi rückwärts erzählt. Auf eine Szene folgt die chronologisch davor stattfindende. Zwischendrin wird (in schwarz-weiß, um den Zuschauer doch ein bisschen zu entlasten) die Geschichte von vorne erzählt. Das Ende des Films entspricht als der chronologischen Mitte der dargestellten Ereignisse.

Als Zuschauer kann man sich also nicht mehr fragen, was als nächstes passiert, sondern warum das passiert, was gerade zu sehen ist. Nach eine kurzen Eingewöhnungsphase macht dieser Erzählstil Spaß, doch Nolan muss sich eine Frage gefallen lassen: Warum das alles?

Als Mittel, seinen Thriller interessanter zu machen, als er allein von der Geschichte her ist, taugt die durchbrochene Chronologie sicherlich. Dramaturgisch erschließt sich der Sinn allerdings nicht. Man könnte meinen, der Zuschauer solle sich wie der Protagonist fühlen; allerdings kann sich dieser an Vergangenes nicht erinnern. Der Zuschauer bekommt diese zurückliegenden Ereignisse immer präsentiert und kann durch die Erzählweise sogar in die Zukunft blicken.

Auch wenn sich der Film hauptsächlich um seine Kriminalhandlung kümmert, wird doch auch das interessante Thema der Erinnerungen und ihr Einfluss auf unser Leben angeschnitten:

„Memory can change the shape of a room; it can change the color of a car. And memories can be distorted. They’re just an interpretation, they’re not a record, and they’re irrelevant if you have the facts.“

Leonard kann sich nur noch auf Fakten verlassen; es bleibt ihm sogar nichts anderes übrig. Was sich allerdings als Problem erweist: Er kann sich eben auch nicht an die Herkunft dieser Fakten erinnern.

Einen ungewöhnlichen, unterhaltsamen Thriller mit guten Darstellern hat Nolan mit „Memento“ sicherlich geschaffen. Das Meisterwerk, als das der Film gehandelt wird, sehe ich darin aber nicht.

8/10

 

Advertisements