Trick ‚r Treat

Besondere Tage im Jahr eignen sich scheinbar besonders gut zum Morden, immerhin gibt es zu fast jedem Feiertag einen Horrofilm – „My Bloody Valentine“, „Black Christmas“ oder John Carpenters „Halloween“. Wer sich in der Herbstzeit in der passenden Atmosphäre gruseln will, muss nun nicht mehr Jahr für Jahr auf letztgenannten Film zurückgreifen; „Trick ‚r Treat“, das Regiedebüt von Michael Dougherty, stellt eine hervorragende Alternative dar.

„Trick ‚r Treat“ erzählt mehrere Geschichten, die lose miteinander verknüpft sind und alle an einem Halloween-Abend in einer Kleinstadt in Ohio spielen. Da gibt es den Schuldirektor Steven Wilkins (Dylan Baker), der den Kindern in der Nachbarschaft beizubringen versucht, nicht einfach Süßigkeiten von Fremden anzunehmen. Sein Nachbar Mr. Kreeg (Brian Cox, Match Point, Rise Of The Planet Of The Apes) kann mit Halloween nichts anfangen, verschanzt sich mit seinem Hund im Haus und bekommt überraschenden Besuch. Eine Gruppe von Kindern sucht den Ort auf, an dem vor 30 Jahren mehrere Schulkinder umgebracht wurden und bekommt eine gewaltige Lektion gelehrt. Laurie (Anna Paquin) ist mit ein paar Freundinnen in der Stadt, um auf einer Party ihr ganz besonderes „erstes Mal“ zu erleben.

„Trick ‚r Treat“ versucht mit seinen ineinander verwobenen Geschichten das Genre der Horror-Anthologie-Filme à la „Tales From The Crypt“ wieder zu beleben und ist dabei äußerst erfolgreich. Die einzelnen Episoden sind teilweise gruselig, teilweise höchst überraschend, in jedem Fall aber unglaublich unterhaltsam und von bitterbösem Humor durchzogen. Der Film schreckt nicht davor zurück, auch Kinder zu töten und macht sich auch noch einen Spaß daraus, wie kompliziert es sein kann, so eine Kinderleiche im Garten zu begraben.

Vielleicht ist genau diese Boshaftigkeit der Grund, warum es „Trick ‚r Treat“ trotz namhafter Besetzung nie in die Kinos geschafft hat. Obwohl der Film schon 2007 fertig gestellt war, wurde der Kinostart immer wieder verschoben. Bei Kritikern und Publikum verschiedener Horrorfilmfestivals kam Doughertys Werk dagegen extrem gut an. Doch erst 2009 wurde „Trick ‚r Treat“ dann schließlich regulär veröffentlicht – und auch das eben nur auf DVD.

Neben dem gelungenen Drehbuch und gut gelaunten Darstellern besticht der Feiertags-Film vor allem durch ein hervorragendes Set-Design: Selten wurde Halloween schöner, stimmiger und liebevoller umgesetzt. Das trägt auch zur wundervoll altmodischen Atmosphäre des Films bei. „Trick ‚r Treat“ will sein Publikum nicht quälen, wie es viele moderne Horrorfilme versuchen (Saw, Hostel, Martyrs), sondern ausschließlich unterhalten. Und dieses Ziel wird in jeder Minute erreicht.

Anspruchsvoll ist das Ganze sicherlich nicht; wer sich aber an einer herrlich bösen Horrorkomödie im 80er-Jahre-Stil in stimmiger Halloween-Atmosphäre erfreuen kann, sollte sich „Trick ‚r Treat“ nicht entgehen lassen.

8/10

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