Michael Clayton

„Do I look like I’m negotiating?“

Michael Clayton (George Clooney) bezeichnet sich selbst als „Hausmeister“ der Anwaltskanzlei Kenner, Bach & Ledeen. Seine Aufgabe ist es, jedes Problem der Mandanten aus dem Weg zu schaffen. Was er tut, ist moralisch fragwürdig, doch er ist gut darin. Sein Privatleben verläuft weniger erfolgreich. Aufgrund einer Fehlinvestition ist er hochverschuldet. Das Geld, das er verdient, verspielt er. Von seiner Frau ist er längst geschieden, doch er versucht, sich um seinen Sohn zu kümmern.

Seine Kanzlei vertritt seit Jahren den Agrarunternehmen versorgenden Chemiekonzern U/North, der mit einer Sammelklage auf drei Milliarden Dollar zu kämpfen hat. Arthur Edens (Tom Wilkinson), Staranwalt der Kanzlei, beschäftigt sich seit Jahren ausschließlich mit dem Fall U/North, doch er dreht plötzlich durch: Nicht nur zieht er sich mitten während einer Verhandlung nackt aus, er will auch die Machenschaften des Chemiekonzerns aufdecken, da er an Unterlagen gelangt ist, die die karzinogene Wirkung des von U/North vertriebenen Herbizids belegt.

Während Clayton den Staranwalt Edens wieder zur Vernunft – oder zumindest zum Schweigen – bringen soll, kämpft Karen Crowder (Tilda Swinton), die Chef-Anwältin U/Norths, mit ihren Mitteln darum, eine Einigung im Fall der Sammelklage zu erreichen und einen größeren Skandal zu verhindern.

Schon die Ausgangssituation in Tony Gilroys Regiedebüt „Michael Clayton“ ist herrlich komplex. Das hervorragende Drehbuch schafft es, den Film auf zwei Zeitebenen zu erzählen und seine Protagonisten dreidimensional und glaubhaft wirken zu lassen. Die Figuren lassen sich nicht einfach in ein gut/böse-Schema einordnen. Sicherlich sind U/North und seine Vertreterin Karen Crowder auf den ersten Blick die Bösen. Doch ist Claytons Arbeitgeber viel besser, wenn er einen Konzern vertritt, obwohl er von dessen Schuld weiß? Bewegt sich Michael Clayton selbst nicht ebenso in einer moralischen Grauzone, allein durch die Ausführung seines Jobs?

Für die Darstellung der komplexen Charaktere konnte Gilroy herausragende Darsteller gewinnen: George Clooney glänzt als knallharter „Fixer“ seiner Firma, der seine Überzeugungen, seine Geldnot und seinen Job unter einen Hut bringen muss. Tom Wilkinson eröffnet den Film mit einem Voice-over, welches schon einen tiefen Sog entfaltet und lässt seinen manisch-depressiven Staranwalt Edens auf einer schmalen Linie zwischen Wahnsinn und Rationalität wandeln. Tilda Swinton, oscarprämiert für ihre Rolle, zeigt eine kalte, strebsame Karrierefrau, deren Unsicherheiten immer wieder zum Vorschein kommen. „Michael Clayton“ ist Schauspielkino in perfekter Form; gerade die letzte Szene, in der sich Clayton und Crowder gegenüberstehten, bleibt im Gedächtnis.

Gilroy inszeniert seinen Film straff und lässt extreme Spannung aufkommen. „Michael Clayton“ verbreitet eine eisige Atmosphäre: Die Bilder sind in Grautönen gehalten, New York wird als kalte, düstere Stadt gezeichnet. Hätte Gilroy die für die Handlung sehr relevante Szene mit der Autobombe durch eine bessere Lösung ersetzt, wäre der Film perfekt. So macht es sich der Regisseur an dieser einen Stelle etwas zu einfach und lässt „Michael Clayton“ kurzzeitig unglaubwürdig erscheinen. Insgesamt bin ich aber doch absolut begeistert.

9/10

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