Sugar Cookies

Das Werkstattkino in München veranstaltet in regelmäßigen Abständen eine „Jugendverderbernacht“, in der Trashfilme jeglichen Genres gezeigt werden. Diesmal gab es Sexploitation-Filme der 70er-Jahre. Ohne viele Vergleiche ziehen zu können, würde ich behaupten, dass „Sugar Cookies“ sogar einer der qualitativ hochwertigeren Filme seiner Art ist.

Nachdem die Pornokönigin Alta (Lynn Lowry) vom Pornoproduzenten Max (George Shannon) ermordet wurde, gibt ihm die Casting-Agentin Camila (Mary Woronov) ein Alibi und sucht gleichzeitig einen Ersatz für Alta. Diesen findet sie in der naiven Julie (ebenfalls Lynn Lowry), welche nicht nur die Rolle der Darstellerin übernehmen, sondern auch die neue Liebhaberin Camilas werden soll. Da Camila über den Tod ihrer ehemaligen Geliebten nicht hinweg kommt, verwandelt sie Julie äußerlich schließlich in Alta. Ihr Ziel ist es, Rache an Max zu nehmen.

Die Macher von „Sugar Cookies“ wollten angeblich einen Suspense-Thriller im Stil Hitchcocks erschaffen und fanden in Vertigo ihr Vorbild. Wie in Hitchcocks Film, geht es hier um das Spiel mit Identitäten. Statt Kim Novak ist nun Lynn Lowry in einer Doppelrolle zu sehen, die sie mehr schlecht als recht meistert. Allgemein kann von Suspense in „Sugar Cookies“ nicht die Rede sein; Spannung kommt selten auf. Unterhaltsam ist das Sexploitation-Werk dennoch geraten, auch aufgrund einer hanebüchenen Nebenstory. Stellenweise ist der Film wirklich witzig, teilweise auch immerhin unfreiwillig komisch. Auch die Musik überzeugt größtenteils.

„Sugar Cookies“ ist sicherlich weit davon entfernt, ein guter Film zu sein. Im Gegensatz zu The Last House On The Left, einem Exploitation-Beitrag aus dem Horrorgenre, kann man sich „Sugar Cookies“ aber auch heute noch gut anssehen und sich am Trashfaktor erfreuen. Etwas weniger Brüste und etwas mehr Handlung hätte dem Ganzen sicherlich nicht geschadet, aber Brüste sind wohl die Existenzgrundlage des ganzen Genres…

4/10

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