Troll 2

„Troll 2“ hat sich seit seiner Veröffentlichung im Jahr 1990 einen speziellen Ruf erarbeitet – den als schlechtesten Film aller Zeiten. In der imdb Bottom 100-Liste belegte das Trash-Spektakel tatsächlich für eine Weile den ersten Platz. Auch wenn sich der Film dank der kultartigen Verehrung von einigen Fans mittlerweile mit Rang 59 begnügen muss – „Troll 2“ bleibt ein grotesk schlechter Film, den man gesehen haben sollte.

Worum geht es? Die Familie Waits macht Urlaub in dem 26-Seelen-Dorf Nilbog, obwohl Sohn Joshua (Michael Paul Stephenson) böse Vorahnungen hat. Immer wieder erscheint ihm sein verstorbener Großvater Seth (Robert Ormsby) und warnt ihn vor Goblins. Diese sind vegetarische Monster, die Menschen spezielles Essen verabreichen, wodurch sie sich in pflanzenartige Wesen verwandeln und dann aufgefressen werden. Die Familie glaubt ihm zunächst natürlich nicht, doch eine Gruppe von Jungs rund um Elliot (Jason F. Wright), dem Freund der Waits-Tochter Holly (Connie Young), muss ziemlich schnell erfahren, dass die Goblins tatsächlich existieren.

Goblins hat „Troll 2“ also zu bieten, doch wo bleiben die titelgebenden Trolle? Die gibt es nicht. Diese kuriose Tatsache hat mit der nicht minder kuriosen Entstehung des Films zu tun: Claudio Fragasso, ein italienischer Regisseur, wollte – finanziert von italienischem Geld – einen Horrorfilm namens „Goblins“ drehen, der sich auch in den USA vermarkten lässt. Der Bundesstaat Utah lockte mit Filmsubventionierung und bot sich als Drehort an. Die Schauspieler bestanden aus den Bewohnern der Gegend, größtenteils Mormonen, die sich bemühten, gute Arbeit abzuliefern, jedoch kläglich scheiterten. Offensichtlich gab es am Set zudem Verständigungsprobleme zwischen den amerikanischen Schauspielern und der italienischen Crew. Fragasso hatte Probleme mit der englischen Sprache und dem von ihm und seiner Frau verfassten Drehbuch merkte man das auch an. Der Film wurde letztlich fertiggestellt, doch er kam nie unter seinem ursprünglichen Namen „Goblins“ in die Kinos. Der Verleih wollte ein Stückchen von dem winzigen Erfolg des 1986 erschienenen Horrorfilms „Troll“ abhaben, der zwar auch nicht unbedingt gut sein soll, aber mit Sonny Bono und einer jungen Julia Louis Dreyfus eine prominente Besetzung vorweisen kann und es immerhin bis auf Platz 9 der amerikanischen Kinocharts geschafft hat. Der irreführende Titel konnte „Troll 2“ allerdings auch nicht helfen, so dass er 1990 vollkommen unterging.

Über die Jahre hinweg erlangte „Troll 2“ dann aber immer größere Bekanntheit – nicht zuletzt aufgrund millionenfach angesehener Youtube-Videos der lächerlichsten Szenen. Es fanden sich immer mehr Verehrer des Trash-Films, so dass seit 2006 regelmäßig Filmvorführungen in Anwesenheit der Schauspieler stattfinden. Michael Stephenson, der den kleinen Joshua mimte, veröffentlichte 2009 dann schließlich eine von Kritikern gelobte Dokumentation mit dem Titel Best Worst Movie, die sich mit der Entstehung und der Verehrung des Phänomens „Troll 2“ beschäftigt.

Seine Anhängerschaft hat sich „Troll 2“ auch wirklich verdient: Die Schauspieler sind mit die schlechtesten, die ich in einem Film je gesehen haben. Gerade Deborah Reed, die die Goblinkönigin Creedence Leonore Gielgud spielt, hat weder ihren Kopf noch ihre Gesichtsmuskulatur unter Kontrolle und zieht seltsamste Grimassen. Auch Dan Packard, der einen Ladenbesitzer in Nilbog darstellt, war vor den Dreharbeiten noch in einer Psychiatrie und sagte zur Entstehung des Films:

“When I got on the set I had no idea what it all meant or what I was doing or what I was saying. I was really troubled, I can tell you that. I wasn’t acting. That was a troubled person talking. It was a terrible experience making that movie. It was always cold, it was always remote. And I remember there was a little kid there, a little Mormon kid, who was really a pain the ass. And I wanted to kill him.“

Die sinnentleerte Handlung ist ebenso Trash vom Feinsten: Warum die vegetarischen Goblins Menschen zunächst in Pflanzen verwandeln müssen, um sie dann zu fressen oder warum der tote Großvater munter immer wieder erscheint, bleibt ebenso ungeklärt wie das Schicksal einiger Charaktere: Brent (Daniel McConnell), einer von Elliots Freunden, bekommt zunächst eine Sexszene mit Creedence und einem Maiskolben auf den Leib geschrieben, die so heiß sein soll, dass er schließlich fast in Popcorn ertrinkt, nur um danach von allen anderen Figuren scheinbar vergessen zu werden. Das Finale, in dem die Goblins schließlich mit einem Wurstbrot besiegt werden, steht der Lächerlichkeit des restlichen Films in nichts nach. Dass weder Effekte, noch Kostüme (entworfen von der Softporno-Darstellerin Laura Gemser) zu überzeugen wissen, sollte nicht weiter überraschen.

Objektiv betrachtet ist „Troll 2“ wohl wirklich ein abgrundtief schlechter Film. Er wirkt dabei aber so sympathisch, dass man ihn eigentlich nicht nicht mögen kann. Wie schon bei Showgirls, will ich auch hier auf eine Bewertung verzichten: So billig, dumm und schlecht „Troll 2“ auch sein mag, so unterhaltsam ist er auch. Bei einem Trashfilm-Abend sollte der Film auf keinen Fall fehlen.

In der Diskussion um den schlechtesten Film aller Zeiten beteiligte sich schließlich auch der Darsteller Michael Stephenson: “I don’t think Troll 2 is the worst movie of all time. I think Transformers 2 is the worst movie of all time.”

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