Best Worst Movie

„Best Worst Movie“ ist eine Dokumentation über den von vielen als schlechtester Film aller Zeiten gehandelter Troll 2. Michael Paul Stephenson, der Kinderstar aus eben diesem Film, fungiert hier als Regisseur. Über einige Jahre hinweg hat er das Phänomen „Troll 2“ mit der Kamera verfolgt: Von Mitternachtsvorstellungen über Troll 2-Feste bis hin zu Horror-Film-Conventions.

Der Fokus von „Best Worst Movie“ liegt auf George Hardy, der 1990 als Oberhaupt der Waits-Familie durch die Goblins bedroht wurde und nun als allseits beliebter Zahnarzt ein normales Leben führt. Wie die meisten der Cast-Mitglieder hat er schon beim ersten Ansehen erkannt, was für eine Katastrophe „Troll 2“ geworden ist. Er nimmt es mit Humor und zitiert vor den Fans dutzende Mal seinen berühmten Satz „You can’t piss on hospitality!“

Während die Begeisterung der Fans zwar amüsiert, ist das Spannende an „Best Worst Movie“ die Sichtweisen der Mitwirkenden an „Troll 2“ auf den Kultfilm. Gerade die italienische Filmcrew freut sich zwar über die Anhängerschaft, ist aber immer noch der Überzeugung, einen guten Film gedreht zu haben. Rossella Drudi, die Autorin, sieht im Film eine Kritik an der heutigen Gesellschaft, der Cutter ist überzeugt, mit „Troll 2“ den Vorläufer zu „Harry Potter“ geschaffen zu haben und Regisseur Claudio Fragasso bezeichnet sein Werk gar als wichtigen Film über essen, leben und sterben und will ihn als Parabel über eine Familie, die zusammenhalten muss, verstanden wissen.

Die meiste Zeit über funktioniert „Best Worst Movie“ als unterhaltsame Feel-Good-Dokumentation; zwischendrin kommt aber auch beispielsweise Robert Ormsby, der Darsteller von Großvater Seth, zu Wort. Wenn der alte Mann, unverheiratet und ohne Kinder, schließlich zum dem Schluss „mostly I’ve wasted my life“ kommt, ist das schon ziemlich herzzerreißend.

Besonders in Erinnerung bleiben allerdings die wenigen Szenen mit Margo Prey, welche in „Troll 2“  ihre einzige Schauspielrolle als die verrückt starrende Mutter Diana Waits hatte. Dass Stephenson ihre Szenen überhaupt für den Film verwendet, ist moralisch höchst fragwürdig. Schon vor ihrem Haus, in dem sie mit ihrer pflegebedürftigen Mutter wohnt, steht ein Schild, dass das Betreten des Grundstücks verbietet: DO NOT RING THE BELL EXCEPT BY DOCUMENTED REQUEST BY THE OWNER. VIOLATORS WILL BE PROSECUTED. Prey scheint psychisch nicht gesund zu sein. Sie verschanzt sich im Haus und sieht sich als Schauspielerin, obwohl ihre einzige Rolle fast 20 Jahre zurückliegt. Sie erzählt von ihrem Traum, irgendwohin zu gehen, wo sie keiner finden kann und sie den Krach ihrer Nachbarn nicht mehr ertragen muss. Sie imitiert die schrillen Schreie, die sie aus den Nachbarshäusern hört und spätestens hier erkennt man, dass diese Frau Probleme hat. Ihre Szenen sind von solcher Intensität, sie sind so bedrückend, dass sie den Film zwar um einen interessanten Aspekt erweitern – dieser Aspekt ist allerdings so privat, dass er hier eigentlich nichts zu suchen hätte.

„Best Worst Movie“ ist immer dann gut, wenn sich der Film auf die Menschen um „Troll 2“ konzentriert. Gerade in der ersten Hälfte liegt das Augenmerk jedoch noch zu sehr auf den Fans; für eben solche ist die Dokumentation aber auch wärmstens zu empfehlen.

7/10

 

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