Waking Life

„They say that dreams are only real as long as they last. Couldn’t you say the same thing about life?“

Richard Linklaters „Waking Life“ braucht Eingewöhnungszeit: Einen Animationsfilm, in dem ein namenloser Protagonist verschiedenen Menschen bei Geprächen über den freien Willen, den Tod, Existenzialismus, Freiheit und vielen weiteren Themen zuhört, sieht man schließlich nicht jeden Tag. Dass alles im Film ständig am Wanken und Torkeln ist, überfordert die Sehgewohnheiten zunächst auch.

„The worst mistake that you can make is to think you’re alive when really you’re asleep in life’s waiting room.“

Nach und nach offenbart sich dann aber doch ein Handlungsgerüst. Der Protagonist schläft und wacht immer nur im nächsten Traum auf. Irgendwann ist ihm bewusst, dass er schläft, er spricht sogar mit anderen über luzides Träumen, doch aufwachen kann er trotzdem nicht.

„An assumption develops that you cannot understand life and live life simultaneously. I’d say that life understood is life lived.“

Als Zuschauer muss man sich arg konzentrieren, um den Gesprächen und Monologen zu folgen; als Belohnung bekommt man immer wieder interessante Denkanstöße. Doch als Film hat „Waking Life“ für mich trotzdem nicht richtig funktioniert: Ich wurde das Gefühl nicht los, dass Linklater seine (tatsächlich spannenden) Gedanken in einen Film packen wollte; da eine traditionelle Handlung das nicht zulässt, bot sich das Traumsetting natürlich an. Das Ergebnis ist ein um anregende Ideen herumgeschusterter Film, der nie zu einem großen Ganzen wird. Wesentlich gelungener ließ Linklater seine Figuren Céline und Jesse in Before Sunrise und Before Sunset über Gott und die Welt diskutieren; dass die beiden in „Waking Life“ einen kurzen Auftritt haben, dürfte einige Fans erfreuen.

„There’s only one instant, and it’s right now. And it’s eternity.“

Auch wenn man bei Kunst wohl nicht nach dem „Warum?“ fragen sollte, stellt sich mir die Frage doch. Ein interessantes Erlebnis ist „Waking Life“ zwar schon, aber vielleicht hätte Linklater auch einfach ein Buch schreiben sollen.

6/10

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