You Can Count On Me

„You Can Count On Me“ zeigt einen Ausschnitt aus dem Leben der Geschwister Sammy (Laura Linney, Kinsey, The Savages) und Terry Prescott (Mark Ruffalo, Eternal Sunshine Of The Spotless Mind, The Kids Are All Right). Nachdem ihre Eltern bei einem Autounfall ums Leben gekommen sind, waren die beiden alles füreinander. Doch während Sammy in der Heimatstadt geblieben ist, bei der lokalen Bank arbeitet und sich alleine um ihren Sohn Rudy (Rory Culkin) kümmert, führt Terry ein nomadenhaftes Leben: Immer wieder wechselt er seinen Aufenthaltsort, seinen Job und seine Freundin. Er irrt ziellos umher, will nichts Böses und gerät trotzdem immer wieder in Schwierigkeiten. Als er sich nach Monaten ohne Kontakt wieder bei Sammy meldet, ist ihre Freude groß. Doch die Ernüchterung folgt schnell: Terry will nicht lange bleiben, er braucht mal wieder Geld. Und obwohl die Beziehung der beiden an Konflikten nicht arm ist, ist die geschwisterliche Liebe doch stets vorhanden. Die beiden lachen und weinen miteinander, sie streiten sich und doch sind sie stets eine Bereicherung füreinander.

Die kaum vorhandene Handlung könnte „You Can Count On Me“ langweilig erscheinen lassen, doch Kenneth Lonergans Debüt strotzt nur so vor Wärme und Menschlichkeit, dass das eigentliche Geschehen zur Nebensache wird. Sammy und Terry sind wunderbar ausgearbeitete Charaktere, sie erscheinen real, sie haben Makel und machen Fehler, sie verletzen sich, aber sie können auch verzeihen. Sammy beginnt eine Affäre mit einem verheirateten Mann und versucht ihren Sohn von der harten Realität abzuschotten. Terry vergisst, Rudy nach der Schule abzuholen, gerät in Schlägereien und weiß nicht, wie sein Leben weitergehen soll.

Lonergans oscarnominiertes Drehbuch erlaubt sich keine Klischees, sondern zeichnet die Bedeutung der Geschwister füreinander auf höchst subtile Weise. Terrys Ankunft in Scottsville verändert Sammys Leben – wenn auch nur im kleinen Maßstab. Ihr geregelter Alltag gerät ein Stück weit aus den Fugen: Sie wird lockerer, flucht, stürzt sich in eine Affäre. Terry lernt nicht nur seine Familie, sondern auch sich selbst ein bisschen besser kennen. Um diese kleinen Veränderungen zu vermitteln, braucht es erstklassige Darsteller. Linney ist hervorragend wie immer und Ruffalo gibt die wohl beste Performance seiner Karriere.

„You Can Count On Me“ ist ein bodenständiger Film, der seine Figuren gern hat, sie aber nur kleine Schritte gehen lässt. Das ist unspektakulär, aber realistisch und vor allem wunderschön anzusehen.

8/10

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