One Flew Over The Cuckoo’s Nest

„One Flew Over The Cuckoo’s Nest“ gilt als einer der besten Filme aller Zeiten: In der Liste der 250 besten Filme der imdb belegt er Rang neun; er ist einer von nur drei Filmen, die alle fünf der wichtigsten Oscars gewinnen konnten: Bester Film, Beste Regie, Bestes Drehbuch, Bester Schauspieler, Beste Schauspielerin. Und tatsächlich ist die Geschichte vom Aufstand in einer Psychiatrie schwer beeindruckend, wenn auch nicht frei von kleinen Makeln.

R. P. McMurphy (Jack Nicholson, Chinatown) will nach mehreren Schlägereien und Sex mit einer Minderjährigen dem Gefängnis entgehen. In einer Psychiatrie soll deshalb seine geistige Gesundheit überprüft werden. Auf einer Station mit verschieden schweren Fällen schließt er nicht nur einige Freundschaften, sondern hat auch mit der Schwester Ratched (Louise Fletcher) zu kämpfen. Diese leitet die Station mit strenger Hand: Individualität oder Freiheiten gibt es nicht, alles hat seine Ordnung, welche auch eingehalten werden muss. Kommt es doch zu Vorfällen, helfen immer noch Elektroschocks. Der freiheitsliebende McMurphy macht da nicht lange mit: Er mobilisiert seine Mitinsassen zum Aufstand, veranstaltet nachts eine Party und plant schließlich seine Flucht.

„One Flew Over The Cuckoo’s Nest“ ist nicht durchgängig als bedrückendes Drama, sondern immer wieder auch als sympathische Komödie inszeniert. Das nimmt dem Film zwar etwas von seiner Schwere, bringt aber ein anderes Problem mit sich: Die Charakterisierungen der Nebenfiguren kratzt in den meisten Fällen nur an der Oberfläche. So ist zwar das Schicksal von McMurphy bewegend und schockierend, das der anderen Insassen lässt aber – trotz herausragender Schauspielleistungen – recht kalt. So funktioniert der Film am besten, wenn er sich auf Nicholsons McMurphy und Flechters Nurse Ratched konzentriert. Hier trifft Freiheitsliebe auf ein starres System, Impulsivität auf extreme Selbstkontrolle, Spontaneität auf strenge Pläne. Trifft auch Wahnsinn auf Gesundheit?

Milos Formans Verfilmung eines gleichnamigen Romans ist als Psychiatriefilm gut, als Charakterstudie dank dem überragenden Nicholson sehr gut, aber vor allem als Parabel über die Freiheit großartig und gerade deshalb so gelungen, weil jeder selbst beurteilen muss, ob sich der Kampf um Individualität und freies Denken letztendlich gelohnt hat. „One Flew Over The Cuckoo’s Nest“ ist zwar nicht ganz perfekt, aber dennoch ein zeitloser Klassiker.

9/10

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