Mein Filmjahr 2010

2010 ist nun vorbei, da soll auch an dieser Stelle ein Resümee nicht fehlen. Das Experiment „Filmblog“ ist geglückt und ich habe tatsächlich bis zum Ende des Jahres durchgehalten. Über jeden einzelnen Film, den ich gesehen habe, zu schreiben (114 waren es), war manchmal mühselig, hat aber auch immer wieder Spaß gemacht. Vor allem dann, wenn ich mich für den Film begeistern konnte.

Die Besten

Mulholland Dr. war im März dann schließlich der erste Film, dem ich die volle Punktzahl gab. Lynchs Meisterwerk habe ich nun schon fünf Mal gesehen und mittlerweile die grobe Handlung erfasst. Immer wieder entfaltet Mulholland Dr. einen unglaublichen Sog und zieht mich in das düster-atmosphärische Los Angeles. Ebenfalls 10 Punkte bekamen das unterschätzte Beziehungsdrama Closer von Mike Nichols, welches mit messerscharfen Dialogen und einer perfekten Besetzung auftrumpft und der in den Kinos kriminell untergegangene, herrlich verschrobene Animationsfilm Mary and Max.

Dank dem Filmmuseum konnte ich auch endlich Billy Wilders Klassiker Sunset Blvd. auf der großen Leinwand genießen. Gloria Swansons kongenial verkörperte Norma Desmond muss man im Kinosaal erlebt haben, erst dort entfaltet sie ihre Wirkung.

Andere Klassiker sah ich vor allem von Alfred Hitchcock:  Vertigo und Psycho sind über alle Zweifel erhaben, doch für mich persönlich ist Rear Window sein Meisterwerk. Sofia Coppola überzeugte mich in diesem Jahr zwar auch mit Somewhere, Lost In Translation löste im Oktober jedoch nochmals wahre Begeisterungsstürme und eine 10-Punkte-Wertung aus. Ein Gegenprogramm zu Coppolas ruhigen Filmen stellte Paul Thomas Andersons Mammutwerk There Will Be Blood dar. Allein Daniel Day-Lewis‘ wegen muss man diesen Film gesehen haben. I drink your milkshake!

Und schließlich gab es da noch Angels In America, das einzige Fernsehwerk mit der Höchstwertung. Das ebenso wie Closer von Mike Nichols inszenierte Meisterwerk beeindruckt mich immer noch so sehr wie kaum ein anderer Film. Tony Kushners Dialoge sind – um beim biblischen Motiv des Films zu bleiben – für die Ewigkeit bestimmt, jeder einzelne Schauspieler ist göttlich. Ein klarer Anschaubefehl!

Natürlich haben mich auch viele andere Filme begeistert, ohne dass ich 10 Punkte vergeben habe: Das Geschwister-Drama The Savages mit einer wunderbaren Laura Linney, Guy Maddins herrlich skurrile „docu-fantasia“ My Winnipeg, Pixars herzerwärmende Spielzeug-Fortsetzung Toy Story 3, der gnadenlos unterkühlte George-Clooney-Thriller Michael Clayton oder auch der unerbittliche Selbstzerstörungstrip Hannelore Elsners in Die Unberührbare sind mir in besonderer Erinnerung geblieben.

Die Enttäuschungen

Für ein paar Filme waren dagegen meine Erwartungen zu hoch, so dass sie mich ziemlich enttäuscht zurückließen: Martyrs, ein französischer Horrorfilm, wurde als Revolution des Genres gefeiert und ist letztendlich nur ein weiteres Blut- und Schlachtfest. Ein eben solches habe ich von Machete erwartet. Robert Rodriguez‘ Trashspektakel hat als dreiminütiger Fake-Trailer überzeut, löst auf fast zwei Stunden breitgetreten aber nur noch ein müdes Lächeln aus. An Rob Zombies Halloween-Remake stellte ich dagegen keine Erwartungen. Und der Film war tatsächlich so schlecht, dass er sogar das Ärgernis Twilight unterbot.

Großes erhoffte ich mir dagegen von Uncle Boonmee erinnert sich an seine früheren Leben. Der diesjährige Cannes-Gewinner entpuppte sich aber als Langweiler allererste Güte. Für esoterisch veranlagte Großstädter mit Vorliebe zu Sex zwischen Mensch und Fisch oder für von Seelenwanderung überzeugte Spiritualisten mag „Uncle Boonmee“ einiges bieten, für mich war der Film dagegen eine Geduldsprobe.

Die Trash-Highlights

Dann gab es noch Filme, die so schlecht sind, dass man sie einfach mögen muss. Uneingeschränkter Herrscher über diese Kategorie ist Patrick Swayze als national bekannter Clubrausschmeißer Dalton in Road House, der nicht nur böse Jungs verprügelt, sondern auch noch heiße 80er-Jahre-Blondinen rumkriegt. Showgirls und Troll 2 konnten da zwar nicht ganz mithalten, boten aber auch herrlichen Trash-Spaß.

Die Hoffnungsträger 2011

Auf einige Filme, die 2011 in Deutschland erscheinen werden, kann ich jetzt schon kaum warten. Allen voran ist hier Black Swan von Darren Aronofsky (Requiem For A Dream) zu nennen. Ein Horrorfilm, der im Ballettmilieu angesiedelt ist, klingt zunächst nicht sehr verlockend, doch der Name des Regisseurs, die Begeisterungsstürme der Kritiker und Natalie Portman, die schon jetzt als Oscar-Favoritin gilt, lassen einiges erhoffen.

In den amerikanischen Kinos ziemlich untergegangen ist Never Let Me Go. Ende März soll der Film in Deutschland unter dem Titel „Alles, was wir geben mussten“ erscheinen. Grund für meine Vorfreude ist die gleichnamige literarische Vorlage von Kazuo Ishiguro, aus dessen Roman „The Remains Of The Day“ schon ein hervorragender Film entstanden ist. „Never Let Me Go“ erzählt die Geschichte dreier Kinder in einem scheinbar idyllischen englischen Internat und entfaltet auf subtile Weise eine enorme emotionale Wucht. Wenn der mit Carey Mulligan (An Education), Andrew Garfield (The Social Network) und Keira Knightley vielversprechend besetzte Film auch nur annähernd die Klasse des Romans erreicht, sollte „Never Let Me Go“ ein Filmjuwel sein.

Allein aufgrund des wunderbaren Trailers freue ich mich auf Blue Valentine. Der Film erzählt die Geschichte eines Paares an zwei Punkten ihrer Beziehung: Beim Kennenlernen und Verlieben sowie beim Auseinanderbrechen, wenn der eine für den anderen nur noch Gift ist. Michelle Williams und Ryan Gosling sind zwei ungeheuer talentierte Darsteller, die für „Blue Valentine“ schon mit Golden Globe-Nominierungen bedacht wurden.

Weitere Höhepunktes des kommenden Kinojahres könnten Rabbit Hole, die Geschichte einer trauernden Familie mit Nicole Kidman, der hochgelobte kanadische Film Winter’s Bone und Danny Boyles 127 Hours sein. Letzterer ist die Verfilmung der Geschichte des Kletterers Aron Ralston, der alleine zwischen zwei Felsen eingeklemmt war und sich nur durch das Abtrennen seines Armes retten konnte. „127 Hours“ ist im Grunde ein One-Man-Show mit James Franco und führte beim amerikanischen Publikum teilweise schon zu Panikattacken.

Wie es weiter geht

Meinen Blog wird es auch im Jahr 2011 geben, wenn auch in leicht veränderter Form. Ausführliche Rezensionen werden fortan nur noch ausgewählte Filme erhalten. Am Ende jedes Monats werde ich dann noch einen kurzen Kommentar zu allen gesehenen Filmen veröffentlichen.

Mein Filmnerd-Herz konnte dann doch nicht anders als über jeden einzelnen Film hier zu schreiben.

Und nun noch allen ein gutes Jahr 2011!

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