The King’s Speech

„The King’s Speech“ gilt mit zwölf Oscar-Nominierungen als absoluter Favorit der diesjährigen Verleihung; Colin Firth hat für seine Interpretation des stotternden Prince Alberts, der als King George VI den britischen Thron besteigt, schon so ziemlich jeden Filmpreis gewonnen und wird mit aller Wahrscheinlichkeit am kommenden Sonntag auch den Oscar sein Eigen nennen dürfen, nachdem er im vergangenen Jahr mit A Single Man das Nachsehen hatte. Dass ausgerechnet ein Film über den Verlauf einer Sprachtherapie auf so viel Gegenliebe von Publikum und Kritikern stößt, mag überraschen. Doch „The King’s Speech“ ist gefällig inszeniert, setzt auf feinen Humor und großes Drama und unterhält damit blendend.

Gerade das Darstellergespann aus Firth und Geoffrey Rush, der seinen gewitzten Sprachtherapeuten Lionel Logue gibt, trägt dazu wesentlich bei. Wie so oft beginnen große Freundschaften in Filmen sehr zögernd: Als Albert von seiner Frau Elizabeth (Helena Bonham Carter) wegen des Stotterns zu Logue gebracht wird, zweifelt er an den modernen Methoden des Australiers. Die Hoffnung auf eine Besserung scheint er längst aufgegeben haben. Albert wirkt verspannt, kann sich nur in Gegenwart seiner Frau und Kinder locker geben. Der gesellschaftlichen Position, die er als potentieller Thronfolger einnehmen sollte, fühlt er sich nicht gewachsen. So schwankt er in seinem Verhalten zwischen Machtdemonstration gegenüber Logue und Unterwürfigkeit. Doch nachdem sein Vater King George V stirbt und sich sein älterer Bruder (Guy Pearce, Memento) vom Thron verabschiedet um eine geschiedene Bürgerliche zu heiraten, muss sich Albert seiner Angst vor öffentlichen Reden stellen.

Formal gibt es an „The King’s Speech“ nichts zu bemängeln: Die Schauspieler agieren auf höchstem Niveau, Tom Hooper weiß, wie er seinen Film atmosphärisch zu inszenieren hat, die Musik von Alexandre Desplat ist angemessen majestätisch, die Ausstattung exzellent. „The King’s Speech“ funktioniert – insbesondere durch Geoffrey Rush – als Komödie, bietet zudem eine hervorragende Charakterstudie und geht gegen Ende gar als Geschichtsstunde durch. Doch eines bietet der Kritikerliebling nicht: Überraschungen. Von Beginn an weiß der Zuschauer, was er zu erwarten hat. Nicht etwa, weil man die Geschichte kennen könnte, sondern weil die Erzählung der klassischen Hollywood-Formel folgt: Der Charakter, der über sich selbst hinaus wächst, die Freundschaft, die sich nach anfänglicher Skepsis entwickelt, um gegen Ende durch einen Streit auf eine harte Probe gestellt zu werden – all das hat „The King’s Speech“ zu bieten. In Kombination mit dem royalen Setting schreit der Film geradezu „Oscar!“.

Wenn dieser Ruf nun auch erhört wird, trifft es sicherlich einen sehr guten Film; aber eben auch einen Film, der kaum Wagnisse eingeht, sich seinem Publikum manchmal zu sehr anbiedert und emotional auch nicht immer zu berühren vermag. So ist „The King’s Speech“ ein exzellenter, aber zu glatt gebügelter Film.

8/10

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