Howl

I saw the best minds of my generation destroyed by madness, starving hysterical naked,
dragging themselves through the negro streets at dawn looking for an angry fix,
Angel-headed hipsters burning for the ancient heavenly connection,
to the starry dynamo in the machinery of night . . .

Allen Ginsbergs einstmalig skandalöses Gedicht „Howl“ zum Thema eines Films zu machen, ist wohl interessanter – und kreativ herausfordernder – als sich dem Beat Generation-Dichter in einem klassischen Biopic zu nähern. Die Regisseure Rob Epstein und Jeffrey Friedman verknüpfen Sequenzen aus dem Leben Ginsbergs (dargestellt von James Franco, 127 Hours) aus den 40er und 50er Jahren, seine Rezitation von „Howl“ beim berühmten Six Gallery reading in San Francisco, das Gerichtsverfahren gegen Lawrence Ferlinghetti, dem Verleger von „Howl“, Interviewsequenzen mit Ginsberg und Animationen des Gedichts miteinander und meistern den Umgang mit den vielen Erzählsträngen größtenteils geschickt.

Gerade die in schwarz-weiß gehaltenen Szenen, die sich Ginsbergs Privatleben widmen und vor allem durch Voice-Over getragen werden, beeindrucken ebenso wie die Lesung von „Howl“ in der Six Gallery, in der Franco als Ginsberg nach anfänglicher Unsicherheit zu Hochform auflaufen kann. Die Interviewsequenzen sind schlicht gehalten: Die Kamera fixiert Franco; durch seine Erzählung werden Ginsbergs Ansichten und Gedanken transportiert. Gleichzeitig dienen die Szenen als Bindeglied zwischen den übrigen Elementen des Films. Die Animationen des Gedichts lassen mich schließlich zwiegespalten zurück: Das Vorhaben, „Howl“ zu visualisieren, hätte schrecklich schief gehen können – und das ist nicht passiert. Zwischenzeitlich entfalten die Animationen gar einen ungeheuren Sog. Gerade der zweite Teil des Gedichts („Moloch the incomprehensible prison! Moloch the crossbone soulless jailhouse and Congress of sorrows!“) ist atemberaubend düster umgesetzt. Andere Passagen scheinen dagegen arg beliebig und schmälern den Gesamteindruck.

Nicht ganz in den eher experimentell gehaltenen Rest des Films können sich die Szenen im Gerichtssaal einfügen. Hier findet sich der Verleger von „Howl“ auf der Anklagebank. Ihm wird vorgeworfen, dass das von ihm veröffentlichte Material („who let themselves be fucked in the ass by saintly motorcyclists, and screamed with joy“) obszön wäre. Jon Hamm gibt eine Anwalt-Version seines Don Drapers, David Straithairn spielt den Ankläger. Mit Mary-Louise Parker (Angels In America) und Jeff Daniels konnten zudem großartige Darsteller für den Zeugenstand gewonnen werden. Die konventionell inszenierte Verhandlung bietet zwar manch unterhaltsamen Schlagabtausch, wirkt aber dennoch immer wieder wie ein Fremdkörper im Film, der den Rausch von „Howl“ unterbricht.

Für gänzlich gelungen halte ich „Howl“ nicht; doch die ungewöhnliche Herangehensweise hat Lob verdient, schauspielerisch ist der Film dank Franco herausragend und in einzelnen Sequenzen ist die Umsetzung gar großartig.

The world is holy! The soul is holy! The skin is holy! The nose is holy! The tongue and cock and hand and asshole holy! Everything is holy! everybody’s holy! everywhere is holy! Everyday is in eternity! Everyman’s an angel!

7/10

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