[Rec]

[Rec] ist ein spanischer Horrorfilm im Wackelkamera-Stil, der international Furore machte und weltweit Kritiker begeistert. Weshalb [Rec] diese Euphorie auslösen konnte, ist mir schleierhaft.

Erzählt wird eine Zombiegeschichte, die nicht viel Neues zu bieten hat. Die Moderatorin Ángela Vidal (Manuela Velasco) verbringt mit dem Kameramann Pablo (Pablo Rosso) eine Nacht mit einem Feuerwehrteam. Nach anfänglicher Ereignislosigkeit ist die Freude groß, als ein Notruf aus einem Wohnhaus in der Innenstadt eingeht. Aus einer Wohnung dringen immer wieder Schreie einer Frau. Das Team bricht zusammen mit Polizisten in Türe auf und findet eine blutüberströmte, wild herumhüpfende alte Frau vor, die schließlich einen Polizeibeamten attackiert. Innerhalb kürzester Zeit wird das gesamte Haus unter Quarantäne gesetzt, die Zombies werden immer mehr, die Lebenden dezimieren sich.

Ich mag Zombiegeschichten. Richtig gruselig finde ich sie selten, doch faszinierend anzuschauen eigentlich immer. Wie der Virus eine kleine Gruppe ahnungsloser Menschen dahinrafft und im Hintergrund die menschliche Gesellschaft zusammenbricht, wurde in „Night Of The Living Dead“ beeindruckend umgesetzt und bot Stoff für viele ähnliche, oftmals unterhaltsame Filme. Doch warum mag ich [Rec] nicht? Und warum kann der Film so viele begeistern?

Kritiker bezeichnen [Rec] als „absolutely bloody terrifying“ und „genuinely frightening“ und finden, dass „the edge-of-the-seat tension is sustained to the very last second“. Doch Angst gemacht hat mir der Film von Jaume Balagueró und Paco Plaza gar nicht. Das liegt vermutlich an der oben erwähnten alten Zombie-Frau. Immerhin ist sie die erste Untote, die der Zuschauer zu Gesicht bekommt. Wie sie hysterisch gestikulierend durch ihre Wohnung springt, ist ein Bild für die Götter und raubt dem Film jegliche Ernsthaftigkeit.

Zombie-Oma hat Hunger!

Handlungstechnisch hat [Rec] im Vergleich zu anderen Zombiefilmen bis auf eine krude Vatikan-Story nicht viel mehr zu bieten. Die Schauspieler erfüllen ihre Aufgabe zweckmäßig, allerdings gönnen die Autoren ihren Figuren ohnehin kaum Charakterzüge. Besonders anstrengend ist die Protagonistin Ángela. Als Zuschauer ist man ob ihres nervtötenden Gekreisches gar versucht, die Zombies anzufeuern.

Doch [Rec] hat nicht nur Schwächen: In seinen besten Momenten ist der Film gar unterhaltsam. Das Finale, in dem die restlichen Überlebenden gemeinsam mit dem Zuschauer nur durch die Nachtsichtfunktion der Kamera das Geschehen beobachten können, ist tatsächlich spannend inszeniert und lässt den lang erhofften Nervenkitzel doch noch aufkommen. (Auch diese Idee wurde zwar schon in „The Silence Of The Lambs“ umgesetzt, aber sei’s drum.)

Wer sich durch verrückte Zombie-Omas nicht aus der Gruselstimmung bringen lässt, könnte an [Rec] vielleicht seine Freude haben. Ich sah dann leider nur noch Rentner-Fasching.

3/10

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