The Unknown

„The Unknown“ ist nicht nur als eines der frühen Werke Joan Crawfords bemerkenswert, sondern stellt auch eine der zahlreichen Zusammenarbeiten von Tod Browning und Lon Chaney dar. Während Browning als Regisseur den frühen Horrorfilm prägte und mit „Dracula“ und „Freaks“ in den 30er Jahren noch wahre Klassiker schuf, gilt Chaney als einer der begnadetsten Darsteller der Stummfilmära und war dank seiner revolutionären Make-up-Arbeit als „Man of a Thousand Faces“ bekannt.

In „The Unknown“ spielt Chaney den Zirkuskünstler „Alonzo the Armless“, der in seiner Show Messer auf seine hübsche Assistentin Nanon (Joan Crawford) wirft – und das mit seinen Füßen. Alonzo ist geradezu besessen von Nanon, die die Tochter des Zirkusdirektors Antonio Zanzi (Nick De Ruiz) ist, und will sie unbedingt für sich gewinnen, auch wenn ihr Vater strikt gegen diese Zusammenkunft ist. Nanon hat zudem panische Angst vor den Händen von Männern. Sie verabscheut es, angefasst zu werden. Da scheint der armlose Alonzo genau der Richtige für Nanon zu sein. Doch er trägt eine düsteres Geheimnis mit sich herum und Nanon scheint auch Gefühle für den starken Malabar (Norman Kerry) zu hegen.

Nanon (Joan Crawford) und Alonzo (Lon Chaney )

Browning erzählt in „The Unknown“ nicht nur eine dramatische Liebesgeschichte, sondern präsentiert auch einen verstörenden, und zugleich schön anzusehenden Film mit Anleihen des Horrorgenres. In der Beziehung des zwielichtigen Alonzos und der schönen Nanon lotet er aus, wie getrieben ein Mensch von Liebe sein kann. Dabei scheint der Übergang von unbedingter Liebe zur selbstzerstörerischen Obsession nahtlos zu sein. Den gequälten Gauner verkörpert Chaney beeindruckend; auch Crawford gefällt als männerphobische Schönheit.

Obwohl der Stummfilm mit seinen 50 Minuten Laufzeit und einer Handlung, die man heute so nicht mehr erzählen könnte, moderne Sehgewohnheiten sicherlich herausfordert, versprüht „The Unknown“ immer noch eine beunruhigende Atmosphäre und fesselt gerade im Finale den Zuschauer – für einen mehr als 80 Jahre alten Film eine beachtenswerte Leistung.

8/10

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