Good Night, and Good Luck.

In den 1950er Jahren schürte Senator Joseph McCarthy die Angst vor Kommunisten in der amerikanischen Gesellschaft. Wer ihn dabei nicht unterstützte, galt als Feind. Im von ihm geleiteten Senatsausschuss wurde versucht, kommunistische Verschwörungen in Staatsorganen aufzudecken und Spione zu entlarven. Doch McCarthy legte häufig keine Beweise vor, Verdächtige wurden aufgrund von Spekulationen und Hörensagen vor Gericht gebracht. Verfassungsrechte wurden in Anbetracht der „Sicherheitsrisiken für die Nation“ schon eben mal zurecht gebogen.

Parallelen zur zum Zeitpunkt der Entstehung des Films amtierenden Präsidentschaft George W. Bushs, der Terrorangst, seinem „You’re either with us or against us“-Motto oder dem Patriot Act sind da kaum von der Hand zu weisen, doch George Clooney geht es in seiner zweiten Regiearbeit „Good Night, and Good Luck“ mehr um die Darstellung eines idealtypischen Fernsehjournalismus, wie er von Edward R. Murrows betrieben wurde.

Dieser wird in „Good Night, and Good Luck“ von David Strathairn verkörpert und steht im Mittelpunkt des Films. In seiner CBS-Sendung „See It Now“ machte er auf die Widersprüche in McCarthys Handeln aufmerksam und stellte seine Gefahr für die Demokratie dar. Dabei benutzte er fast ausschließlich Originalaufnahmen von McCarthys Reden und Anhörungen. Er kam zu dem Schluss: „No one familiar with the history of his country, can deny that congressional committees are useful. It is necessary to investigate before legislating. But the line between investigating and persecuting is a very fine one, and the Junior Senator from Wisconsin has stepped over it repeatedly. His primary achievement has been confusing the public mind as between the internal and the external threats of communism. We must not confuse dissent from disloyalty. We must remember always, that accusation is not proof, and that conviction depends upon evidence and due process of law. We will not walk in fear, one of another, we will not be driven by fear into an age of unreason.“

Murrow leitete damit den politischen Untergang McCarthys ein, der in den im Film kurz angerissenen Army-McCarthy-Hearings des Jahres 1954 und der berühmten Zeile „Have you no sense of decency, sir, at long last? Have you left no sense of decency?“ seinen Höhepunkt fand.

Clooney, der selbst in einer Nebenrolle zu sehen ist, inszeniert seinen Film in schwarz-weiß. Das erlaubt ihm, Archivaufnahmen von McCarthy zu verwenden und „Good Night, and Good Luck“ zusätzliche Authentizität zu verleihen. Dazu spielt Clooney mit grellem Licht und dunklen Schatten, unterstreicht damit die jegliche Differenzierungen vermeidende Kommunisten-Hetzjagd McCarthys. Die auch durch das immer in engen Räumen angesiedelte Geschehen erzeugte Klaustrophobie, zeichnet die Atmosphäre der Angst und Einschüchterung nach.

Auf Seiten der Schauspieler stellt David Strathairn seine Kollegen in den Schatten. Wir erfahren nichts über Murrows Privatleben, doch Strathairn stellt ihn würdevoll und getrieben dar, doch gleichzeitig voller moralischer Zweifel. Darf man das Medium Fernsehen benutzen, um gezielt einen Mann anzugreifen, seine Reputation und seine Karriere zu zerstören?

Bei einem so auf einen zentralen Protagonisten konzentrierten Film könnten die anderen Figuren schnell zu bloßem Beiwerk verkommen, doch alle Charaktere habe ihre Funktion und bekommen von hervorragenden Darstellern Tiefe verliehen. So gibt Frank Langella Murrows Chef William Paley wunderbar zwiegespalten. Er sympathisiert mit Murrow, versucht sich für ihn einzusetzen, doch gleichzeitig muss er das Ansehen des Senders, das Wohl der Angestellten und die Werbekunden, denen „See It Now“ zu brisant ist, im Auge behalten. Joe (Robert Downey Jr.) und Shirley Wershba (Patricia Clarkson, The Station Agent, Pieces Of April, Cairo Time) sorgen für eine persönliche Note und veranschaulichen die strengen Regeln für Angestellte der CBS in den 50er Jahren: Obwohl CBS-Mitarbeiter untereinander nicht verheiratet sein dürfen, sind die beiden ein Ehepaar und verheimlichen es Tag für Tag. An Don Hollenbeck (Ray Wise, Laura Palmers Vater aus „Twin Peaks“), einem labilen Nachrichtensprecher der CBS, der von konservativen Medien immer wieder als Kommunist beschimpft wird, zeigt Clooney die verheerenden Auswirkungen McCarthys Politik.

Mit „Good Night, and Good Luck“ präsentiert George Clooney (Michael Clayton, The Ides Of March) Politkino auf höchstem Niveau, ein herausragendes Schauspielensemble und einen cinematographischen Augenschmaus noch dazu. Er weckt Interesse für ein spannendes historisches Thema und inszeniert Politik so packend wie einen Thriller.

9/10

Advertisements