The Wackness

Ich freue mich, die erste Gastrezension auf meinem Blog präsentieren zu können. Vielen Dank an Josephine für ihre ganz persönliche Sicht auf „The Wackness“!

Im Sommer 1994 war ich 6 Jahre alt, begeisterte Stickersammlerin und hatte das Vergnügen, mit meiner pinken Gespensterschultüte in der Hand zum ersten Mal die Schule betreten zu dürfen. Jonathan Levine hingegen war 18 Jahre alt und machte zu diesem Zeitpunkt gerade seinen Highschoolabschluss in New York. Und davon handelt auch sein zweiter Spielfilm „The Wackness“, den ich mir als Fan seines Erstlingswerks All the Boys Love Mandy Lane nicht entgehen lassen konnte.

Hauptperson ist Luke Shapiro (Josh Peck). Luke steht genau wie Levine 1994 kurz vor dem Schulabschluss. Er ist ein Einzelgänger, hört gern Hip Hop, und ist genervt von seinen häufig streitenden Eltern. Diese eröffnen ihm am Anfang des Films, dass der Vater das gesamte Vermögen der Familie verloren hat und sie vermutlich aus ihrem Haus geworfen werden. Dazu kommt, dass Luke den Sommer alleine in New York verbringen muss, während sich seine Klassenkameraden in Europa, Hawaii oder sonst wo rumtreiben – wunderbar.
Immerhin erhält er in solch chaotischen Zeiten auf unkonventionelle Art und Weise Beistand von dem Psychologen Dr. Squires (Ben Kingsley), der Therapiestunden gegen Gras eintauscht. Denn – das hatte ich ganz vergessen zu erwähnen – Luke hat einen „Nebenjob“ als Dealer und zieht Tag für Tag mit einem schrottreifen Eiswagen als Tarnung durch die Straßen New Yorks, immer auf der Suche nach Kundschaft. Als er erfährt, dass Dr. Squires‘ hübsche Stieftochter Stephanie (Olivia Thirlby), die er flüchtig von der Schule kennt, den Sommer ebenfalls zu Hause verbringen wird, scheint sich seine missliche Lage doch noch zum Guten zu wenden…

„The Wackness“ ist eine ungewöhnliche Coming-of-age Story, die traurige Momente, aber auch viele Lacher zu bieten hat. Dafür sorgt vor allem Ben Kingsley als Dr Squires, der quasi den ganzen Film über nur mit Joint in der Hand anzutreffen ist (wie auch sämtliche andere Personen des Films). Er spielt den Psychologen als Althippie, der in einer lieblosen Ehe gefangen ist und seiner Jugend hinterher trauert, durchaus überzeugend, wobei er den Bogen manchmal überspannt und dadurch überzeichnet und karikaturhaft wirkt. Dennoch spielt er wunderbar mit Josh Peck zusammen, der ebenfalls in seiner Rolle überzeugt. Man fragt sich jedoch, warum jemand wie er (Drogendealer, Hip Hopper, verkehrt mit Gangstern) bei seinen Klassenkameraden nicht beliebt sein sollte. Stephanie ist durch ihre coole, abgebrühte, fast kumpelhafte Art eine ungewöhnliche Wahl für die weibliche Hauptrolle und das Objekt von Lukes Begierde – und gerade das macht sie zu einem interessanten Charakter. Olivia Thirlbys Performance kann man nur loben.

Das Beste am Film ist eindeutig die Atmosphäre – das New York der frühen 90er, in der Zeit vor 9/11 (die Twin Tower sind in einer kurzen Szene sogar im Film zu sehen). Guiliani war damals gerade erst ins Amt gekommen und die Stadt damals zwar unsicherer als heute, aber auch lebendiger, so lässt Levine durchscheinen. Wie auch bei „All the Boys Love Mandy Lane“ begeistern mich die stimmungsvollen Bilder und der nostalgische Soundtrack dieses Films.
Fazit: Ein wunderbarer Sommerfilm, der mich mit etwas Melancholie an die Zeit zwischen Abi und Studium zurück denken lässt.

7/10

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