Hackers

Mitte der 90er war das Internet für die Allgemeinbevölkerung wohl noch ein großen Mysterium, voller futuristischer Möglichkeiten, voller Gefahren für die Gesellschaft. Zu der Zeit entstand nicht nur das Sandra-Bullock-Vehikel „The Net“, sondern auch „Hackers“, ein Cyber-Thriller mit einer jungen Angelina Jolie.

Im Mittelpunkt steht der Computernerd Dade Murphy (Jonny Lee Miller, Trainspotting), der schon mit elf Jahren mit einem Virus mehr als 1500 Computersysteme lahmlegte. Pünktlich zu seinem 18. Geburtstag – sein Internetverbot ist aufgehoben – geraten er und seine Freunde ins Visier des Secret Services und des Hackers „The Plague“ (Fisher Stevens). Was genau passiert, ist irrelevant. Die Handlung ist vollkommen an der Haaren herbeigezogen und wir wohl keinen ernsthaft interessieren.

Das gleiche gilt für die Figuren: Alle Charaktere bleiben dermaßen flach, so dass der Film an mir vorbeizog, ohne jegliches emotionales Engagement zu fordern. Sicher, „Hackers“ ist ein harmloser Film, der nur für kurzweilige Unterhaltung sorgen will; doch der Film selbst langweilt. Der einzige Spaß ergibt sich aus der antiquiert wirkenden Pseudo-90er-Jahre-Ausstattung. Die Charaktere tragen Kleidung, mit der man heutzutage auf jeder Bad-Taste-Party überzeugen könnte, sie sind fast ausschließlich auf Rollerblades unterwegs und benutzen eine zur damaligen Zeit wohl futuristisch anmutende Internetversion, die das ahnungslose Publikum vielleicht sogar ins Staunen versetzt hat.

„Hackers“ ist zu gleichen Teilen ein spannungsarmer Thriller, eine unlustige Komödie und eine Zeitkapsel einer 90er-Jahre-Jugendkultur, wie sie wohl nur in den Köpfen von Filmproduzenten mittleren Alters existiert haben kann. „Hackers“ ist auf keiner Ebene erst zu nehmen und gerade deshalb stellenweise unterhaltsam. Doch um über die gesamt Laufzeit interessant zu bleiben ist die Handlung zu idiotisch, sind die Charaktere zu eindimensional. Die Darsteller können aufgrund des Ausgangsmaterials zwar nicht glänzen, stören aber immer nicht. Bis auf einen: Matthew Lillard (Scream) macht durch sein als Schauspiel missverstandenes Grimassenschneiden jeden Film ein bisschen schlechter und hätte schon nach „Hackers“ ein Leinwandverbot erhalten sollen. Computernerds haben vielleicht ihren Spaß daran, alle anderen können sich den Film sparen.

3/10

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