Biutiful

Warum heißt der neue Film von Alejandro González Iñárritu „Biutiful“? Der Protagonist Uxbal (Javier Bardem, No Country For Old Men) hat jedenfalls keinen Grund, sein Leben schön zu finden. Er lebt in Barcelona, ein im Film fast alle menschliche Wärme verschlingender Moloch, und schlägt sich als Kleinkriminellen durch. Er schmiert einen korrupten Polizisten, um mit einer Gruppe senegalesischer Männer Fälschungen von Markenprodukten verkaufen zu können. Er vermittelt illegale chinesische Einwanderer als billige Arbeitskräfte. Er spricht zu Toten, um den trauernden Angehörigen das Geld aus der Tasche zu ziehen.

Seine Frau Marambra (Maricel Álvarez) ist manisch-depressiv und für die Kindererziehung kaum zu gebrauchen. So kümmert er sich streng, aber rührend um seine Kinder Ana und Mateo. Doch dann erfährt er von seinem Prostatakrebs im Endstadium und versucht, sein Leben in Ordnung zu bringen. Doch Uxbals Weg in den Tod – und der zur erhofften Vergebung – ist eine ständige Abwärtsspirale, begleitet von Schmerzen, Leichen und moralischen Dilemmata.

Im Gegensatz zu seinen früheren Werken Amores Perros, 21 Grams und Babel, verzichtet Iñárritu in „Biutiful“ auf das episodenhafte, nonlineare Erzählen der Geschichten mehrerer Figuren. Der Zuschauer ist gezwungen, in das niederschmetternde Leben Uxbals einzutauchen, ihn auf seinen Weg in den Tod zu begleiten und auf eine Form der Erlösung zu hoffen. So entfaltet „Biutiful“ eine bedrückende Wucht, der man sich kaum entziehen kann.

Doch gleichzeitig verbreitet Iñárritu eine erschütternde Trostlosigkeit. Nicht, weil er seinem Protagonisten keine Erlösung gönnt – die erfährt Uxbal -, sondern weil die Ruhe erst mit dem Tod und dem Leben danach einkehrt. Uxbals Erlösung ist spiritueller Natur und lässt das Leben selbst als Qual erscheinen, die auf dem Weg dorthin durchlebt werden muss. Biutiful ist letztendlich nicht das Dasein, sondern dessen Ende durch den Tod. Diese religiöse Sichtweise auf das Leben ist legitim, gefällt mir aber gar nicht.

Auf handwerklicher Ebene ist „Biutiful“ perfekt: Kameramann Rodrigo Prieto fängt ästhetische Bilder von der schäbigen Schattenseite Barcelonas ein und lässt den Zuschauer hautnah ins Geschehen eintauchen. Das gesamte Schauspielensemble beeindruckt und ist mit Rollen gesegnet, die sich einer einfachen schwarz-weiß-Zeichnung verwehren, wobei Javier Bardem in seiner zentralen Rolle den Film dominiert.

Von seinen spirituellen Ausschweifungen abgesehen, ist „Biutiful“ ein Film, den man gesehen haben sollte, aber vermutlich kein zweites Mal sehen will.

8/10

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