Sauna

Eerik (Ville Virtanen) ist ein Kriegsveteran: Im Jahrzehnte andauernden Krieg zwischen Schweden und Russland war er für den Tod von 73 Menschen verantwortlich. Nun, wir schreiben das Jahr 1595, der Krieg ist beendet, soll er zusammen mit seinem Bruder Knut (Tommi Eronen), einem kriegsunerfahrenen, begnadeten Kartographen, der Professor werden will, und drei Russen die neue Grenze zwischen Schweden und Russland festlegen. Auf ihrem Weg durch die Prärie stößt die Kommission auf ein namenloses Dorf mit 73 Einwohnern. Das mitten in einem Sumpfgebiet liegende Örtchen scheint eine Verbindung zu Eerik zu haben. Und dann gibt es im Dorf noch eine mysteriöse Sauna aus Beton.

Der größte Pluspunkt an Antti-Jussi Annilas „Sauna“ ist seine düstere Atmosphäre. Die klaren Bilder der unwirtlichen, kalten Landschaft erzeugen eine bedrückende Schwere. Noch dazu kann sich die Ausstattung sehen lassen. Historienfilme wirken auf mich meistens wie eine leicht peinliche Karnevalsveranstaltung; in „Sauna“ dagegen nimmt man den Figuren ab, dass sie sich gerade im 16. Jahrhundert befinden.

Auch können die Schauspieler überzeugen. Gerade Ville Vartanen besticht in seiner Rolle als Eerik. Eerik wirkt immer wieder wie ein Monster, der jahrelange Krieg scheint eine Tötungsgier in ihm ausgelöst zu haben. An das friedliche Zusammenleben muss er sich erst noch gewöhnen. Mit seiner Brille, die er von Knut bekommen hat, täuscht er eine Kultiviertheit vor, die er nicht besitzt. „Sauna“ erzählt die Geschichte Eeriks, der sich so gerne von seinen Sünden reinwaschen würde, aber an einem Punkt angekommen ist, an dem dies vielleicht schon nicht mehr möglich ist.

Neben seinen Vorzügen hat „Sauna“ ein großes Problem: Der Film wird mit der Zeit immer konfuser, ist so voll von Motiven und Symbolen, so dass man am Ende eher vor einem Puzzle steht, als eine zufriedenstellende Geschichte gesehen zu haben. Nun macht gerade das Rätselhafte das gewisse Etwas von manchen Filmen (Mulholland Dr., L’année dernière à Marienbad) aus, doch „Sauna“ wirkt, als hätten die Macher auch keine Ahnung mehr davon gehabt, was sie eigentlich erzählen wollten.

Der Film hätte ein faszinierendes Charakterdrama oder ein spannender Horrorfilm werden können; doch die Möglichkeiten blieben unausgenutzt. So präsentiert sich „Sauna“ als atmosphärisches, aber größtenteil spannungsarmes Verwirrspiel, das zwar mein Interesse aufrechterhalten konnte, mich aber unbefriedigt zurückließ.

5/10

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