Source Code

Mit Moon hat Duncan Jones einen modernen Klassiker des Science-Fiction-Genres geschaffen, in dem ein beeindruckend aufspielender Sam Rockwell sich auf die Suche nach der Identität seines Charakters begab. Moon bot intelligentes Independent-Kino; als in der Sneak Preview dann „Source Code“, der zweite Spielfilm von Jones, startete, war das also schon ein Grund zur Freude. Jones begibt sich mit „Source Code“ zwar merklich ins Getümmel der großen Hollywood-Blockbuster, liefert aber dennoch einen unterhaltsamen und auch nicht ganz dummen Science-Fiction-Beitrag ab.

Der Soldat Colter Stevens (Jake Gyllenhaal, Donnie Darko) weiß nicht, wie ihm geschieht, als er plötzlich in einem Zug Richtung Chicago erwacht. Eine fremde Frau namens Christina (Michelle Monaghan, Somewhere) sitzt ihm gegenüber und scheint ihn zu kennen. Beim Blick in den Spiegel sieht Colter nicht sein eigenes Gesicht. Colter versucht herauszufinden, was mit ihm geschehen ist. Er kann noch in Erfahrung bringen, dass er für Sean, einen Lehrer, gehalten wird, doch dann explodiert der Zug und alle Insassen sterben.

Da wacht Colter in einer hermetisch abgeriegelten Kapsel auf, festgeschnürt und unfähig, sich zu bewegen. Colleen Goodwin (Vera Farmiga, Up In The Air), eine Frau in Uniform, erscheit auf einem Bildschirm vor ihm. Nach und nach klärt sie ihn auf, dass er Teil des Programms Source Code ist, erschaffen von dem Wissenschaftler Dr. Rutledge (Jeffrey Wright, Angels In America). Colter soll die letzten Minuten des Zugpassagiers Sean immer wieder erleben, um herauszufinden, wer für die Katastrophe verantwortlich ist. Nur so kann ein weiterer Anschlag verhindert werden.

Wie schon in Moon, lässt Jones seinen zentralen Charakter seine komplette Existenz hinterfragen. Colter versucht in seinen acht Minuten im Zug nicht nur herauszufinden, wer der Bomber ist; auch will es wissen, wie er Teil des Source Codes wurde und warum er in der stählernen Kapsel gefangen zu sein scheint. Duncan verzahnt beide Erzählebenen seines Films und kann die Spannung dadurch konstant aufrechterhalten. Zudem stellt er Colter vor ein emotionales Dilemma: Von Mal zu Mal lernt er Christina besser kennen, er will sie retten, muss sie retten, obwohl Christina eigentlich schon tot und die Vergangenheit unabänderlich ist.

Mit „Source Code“ biedert sich Jones zwar dem Mainstream-Kino ein Stück weit an und gerät gegen Ende gar zu sehr in rührselige Fahrwasser; er produziert trotzdem keinen hirnlosen Sommerblockbuster. Er stellt die Frage nach dem Unterschied zwischen Realität und Simulation, treibt den Gedanken im die Meinungen des Publikums vermutlich spaltenden Finale schließlich noch einen Schritt weiter. Damit lässt sich „Source Code“ als launiges Mainstream-Science-Fiction-Werk mit überzeugenden Darstellern empfehlen.

7/10

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