Beginners

Mit Mike Mills Vorgängerfilm „Thumbsucker“ konnte ich mich nicht richtig anfreunden: Die Geschichte um einen Teenager, der immer noch an seinem Daumen lutscht, war voll von unglaubwürdigen Charakteren und wirkte zu gewollt indie. Der Trailer zu Mills neuem Film „Beginners“ war dann aber so charmant, dass ich alle Vorbehalte gegenüber dem Regisseur über den Haufen warf. Und tatsächlich erweist sich „Beginners“ als zauberhaftes Feel-Good-Movie über ein paar traurige Menschen, die versuchen, glücklich zu werden.

Im Zentrum des Films steht dabei Oliver (Ewan McGregor, Trainspotting, The Ghost Writer). Nach dem Tod seiner Mutter outet sich sein Vater Hal (Christopher Plummer) als schwul und beginnt nach mehr als 40 Jahren Ehe ein neues Leben. Doch wenige Jahre später verstirbt auch er an Krebs. Oliver bleiben nur Hals Jack-Russel-Terrier Arthur und viele, schwer miteinander zu vereinende Erinnerungen – an seine Kindheit mit seiner unglücklichen Mutter Georgia (Mary Page Keller) und an seinen lebensfrohen Vater, der in seinen letzten Jahren nachholte, was er in den Jahrzehnten zuvor verpasst hatte.

Wenige Wochen nach dem Tod Hals lernt Oliver auf einer Kostümparty – als Sigmund Freud verkleidet – die französische Schauspielerin Anna (Mélanie Laurent, Inglourious Basterds) kennen. Die beiden werden ein Paar, doch beide haben Probleme, sich zu binden. Um glücklich zu werden, muss Oliver – genau wie sein Vater – seine bisherigen Ideen von Liebe und Beziehungen ändern, einen Neuanfang wagen und ebenso zum „Beginner“ werden.

Mills montiert die drei Zeitebenen – Olivers Kindheit, die Phase von Hals Outing und seiner Krankheit, sowie die Beziehung zu Anna – so geschickt, dass die ständigen Wechsel in der Zeit nie als störend empfunden werden, sondern zu Olivers Entwicklung beitragen. „Beginners“ ist zwar ein gelungenes Charakterdrama, doch Mills inszeniert seinen Film federleicht und sorgt mit kleinen Ideen wie dem in Untertiteln sprechenden Hund Arthur oder den Bildmontagen aus verschiedenen Jahrzehnten, die die Wandlung der Vorstellung von Glück und Liebe veranschaulichen, für humorvolle Momente.

Dass „Beginners“ so gut funktioniert und nie in allzu kitschige Gewässer abdriftet, obwohl er doch Menschen auf ihrem Weg zum Glück begleitet, liegt an den so natürlich agierenden Darstellern. Ewan McGregor gibt Oliver herrlich liebenswert-traurig, Christopher Plummer strahlt als endlich offen Schwuler trotz schwerer Krankheit vor Glück und Mélanie Laurent bezaubert in jeder ihrer Szenen.

„Beginners“ ist ein positiver, lebensbejahender und glücklichmachender Film, weil man sich für Oliver, Hal und Anna freut, ihnen ihr Glück wünscht und auch gönnt. Unbedingt ansehen und glücklich werden.

9/10

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