Living In Oblivion

Es ist Ende Juni und damit wieder Zeit für das Filmfest München. Dort gab es im letzten Jahr schon interessante (My Son, My Son, What Have Ye Done, La Doppia Ora) und auch richtige gute Filme (Cairo Time) zu sehen. Auch dieses Jahr werde ich wieder über einige Filme berichten; den Anfang macht Living in Oblivion von Indie-Regisseur Tom DiCillo, der mit einer Retrospektive seiner Werke geehrt wird.

Living in Oblivion ist ein Film übers Filmemachen und beschreibt die Produktionshölle von low-budget-Filmen. Murphy’s law folgend geht dabei alles schief, was schief gehen kann: Das Mikrophon ist im Bild zu sehen, die Schauspieler vergessen ihre Sätze, Straßenlärm ruiniert die Aufnahme. Doch fast noch schlimmer sind die persönlichen Probleme des Teams, die Regisseur Nick Reve (Steve Buscemi, Ghost World, Fargo) an den Rande des Wahnsinns treiben. Am Set geht eine Beziehung in die Brüche, der Hauptdarstellerin Nicole (Catherine Keener, Being John Malkovich, Synecdoche, New York) wird ihre Rolle nicht gegönnt, diese leidet wiederum unter Selbstzweifel. Es gibt Liebschaften, die es nicht geben dürfte, es gibt Verliebte, die nicht zueinander finden. Und es gibt einen Zwerg (Peter Dinklage, The Station Agent), der einfach keinen Zwerg spielen will.

Mein Höhepunkt in Living In Oblivion war aber der arrogante und weitgehend talentfreie Star des Films, Chad Palomino (James LeGros), der es nicht nur für eine gute Idee hält, eine romantische Liebesszene mit Augenklappe zu drehen, sondern auch nur beim Film mitmacht, weil er glaubt, dass Nick Verbindungen zu Quentin Tarantino hat. Wer auch immer James LeGros ist, er ist entweder so dumm, wie er aussieht oder ein großartiger Schauspieler.

Living In Oblivion ist ein gnadenloser, überspitzter und urkomischer Blick hinter die Kulissen des Filmgeschäfts. In den letzten Minuten hatte ich zwar das Gefühl, dass sich das Konzept des Films langsam ausreizte; doch dann tat er Film das einzig richtige: Er hörte auf.

9/10

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