Confessions (Kokuhaku)


Confessions, der neue Film von Tetsuya Nakashima, war der japanische Oscarbeitrag, wurde allerdings nicht für den Preis nominiert. Confessions bekam einige überwältigend positiv Kritiken, doch mich hat der Film gernervt, obwohl ich ihm nicht alle Qualitäten absprechen will.

In der Eröffnungsszene hält die Lehrerin Yuko Moriguchi (Takako Matsu) einen Monolog vor ihren Schülern. Sie kündigt der hyperaktiven, unruhigen Klasse an, im nächsten Jahr nicht als Lehrerin zurückzukehren. Grund dafür ist der Tod ihrer vierjährigen Tochter Manami: Yuko war alleinerziehend und hat Manami immer wieder mit zur Schule gebracht. Doch dann wurde sie tot im Schwimmbecken aufgefunden. Auch wenn die Todesursache Ertrinken war, weiß Yuko, dass Manami umgebracht wurde – von zwei Schülern ihrer Klasse. Sie nennt deren Namen nicht, bezeichnet sie nur als Schüler A und Schüler B – und doch beginnt sie, sich an beiden auf übelste Weise zu rächen, um ihnen den Wert des Lebens beizubringen.

Nun folgt Geständnis auf Geständnis und damit Monolog auf Monolog, wodurch die Geschichte um den Mord an Manami immer neue Facetten hinzugewinnt. Dieses langsame Annähern an die Wahrheit stellt den Reiz von Confessions dar. Und trotz – von einem für meine Verhältnisse doch arg überzeichnetem Bild der „Jugend von heute“ abgesehen – der interessanten Geschichte funktionierte der Film für mich nicht. Wenn man als Konzept seines Films die Aneinanderreihung von Monologen auswählt, muss man sich gut überlegen, welches Bildmaterial man zu den Monologen zeigt. Nakashima wählte in fast jeder Szene überstilisierte Zeitlupenaufnahmen, denen von einem Blaufilter jegliche Farbe geraubt wurde. Durch die hierdurch geschaffene Künstlichkeit nimmt er der Geschichte jegliche Realitätsnähe und macht aus seinen Charakteren leblose Hüllen, die zwar das Puzzle der Handlung vervollständigen, emotional aber vollständig kalt lassen. Wenn dieses slow motion-Fest wenigstens einen Zweck erfüllen würde, wäre es vielleicht noch zu verkraften; doch Nakashima setzt sein Stilmittel ohne erkennbaren Grund ein und nervt damit nur noch.

Wäre ich des Japanischen mächtig, hätte ich die Augen geschlossen und Confessions als Hörspiel genossen; möglich wäre das, denn die Bilder tragen nicht viel zur Handlung bei. Und selbst dann hätte mich der penetrante, repetitive Einsatz von eigentlich guter Musik von Radiohead oder The xx gestört. Doch wenn ein Film ohne seine Bilder besser wäre, hat der Regisseur definitiv etwas falsch gemacht.

4/10

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