Win Win

Tom McCarthy begann seine Karriere als Schauspieler, machte aber vor allem als Drehbuchautor und Regisseur von sich reden. The Station Agent war trotz kaum vorhandener Handlung ein Kritikerliebling, für The Visitor erhielt Richard Jenkins eine Oscarnominierung als bester Hauptdarsteller und für Pixars Up wurde McCarthy selbst für das beste Drehbuch nominiert. Mit Win Win, seiner dritten Regiearbeit, überzeugte McCarthy erneut viele Kritiker und schaffte auch einen kleinen kommerziellen Erfolg. Am Filmfest München war Win Win nun vor dem offiziellen Kinostart zu sehen. McCarthy war – trotz anders lautender Ankündigung – leider nicht anwesend.

Im Zentrum von Win Win steht Mike Flaherty (Paul Giamatti, American SplendorThe Ides Of March). Mike ist glücklich verheiratet, hat zwei hinreißende Töchter, trainiert ein erfolgloses High School Wrestling-Team und besitzt eine Anwaltskanzlei. Doch die läuft nicht sehr gut, so dass Mike in Geldschwierigkeit steckt. Da bietet es sich an, die Vormundschaft des sich in einem Frühstadium der Demenz befindenden Klienten Leo (Burt Young, Rocky) zu übernehmen. Mike bekommt monatlich 1500 $ und Leo wird in ein Pflegeheim gesteckt, obwohl er lieber zu Hause wohnen würde. Doch dann taucht Leos Enkel Kyle (Alex Shaffer) auf und bringt das Leben der Familie Flaherty durcheinander – und führt mit ungeahnten Wrestling-Fähigkeiten Mikes Team auf die Spur zum Erfolg.

Eine ausgefeilte Handlung war noch nie die Stärke McCarthys. The Station Agent und The Visitor lebten allerdings von sympathischen Figuren, deren Probleme sich echt anfühlten. Auch Win Win präsentiert Charaktere, von denen einer liebenswerter als der andere ist. Sicher, jeder hat seine kleinen Fehler, doch am Ende trifft doch jeder die richtigen Entscheidungen und nimmt sich selbst zurück, um für das Wohl der anderen zu sorgen. Das Problem von McCarthys Film ist, dass die Figuren zwar allesamt sympathisch sind, keine von ihnen aber als real wahrgenommen wird. Sie sind die Hollywood-Vorstellung von Menschen mit wirklichen Problemen, die zum Schluss auch ihr Hollywood-Ende bekommen. Immerhin sind die Darsteller hervorragend: Paul Giamatti und Amy Ryan geben ein herrlich normales Ehepaar, Bobby Cannavalle sorgt für die Witze und Alex Shaffer überzeugt in seinem Schauspieldebüt als wortkarger Teenager.

Keine Frage, Win Win unterhält – der Film ist ein bisschen witzig, ein bisschen tragisch, er ist nett. Mehr aber eben nicht. Und damit ist Win Win im Vergleich zu McCarthys anderen Werken eine kleine Enttäuschung.

5/10

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