Rabbit Hole

Nachdem Nicole Kidman (Birth) in den letzten Jahren vor allem die Schlagzeilen der Klatschpresse beherrschte und nur noch wenig Aufmerksamkeit auf ihre Schauspielkunst lenken konnte, wurde sie im Januar für einen Oscar als beste Hauptdarstellerin in Rabbit Hole nominiert. Auch wenn der mediale Fokus auf der sehr physischen Leistung Natalie Portmans in Black Swan lag und diese schließlich auch mit dem Preis belohnt wurde, liefert Kidman in Rabbit Hole, der immer noch keinen deutschen Starttermin hat, aber am Filmfest München zu sehen war, nicht nur eine beachtenswerte und sehr bewegende Leistung ab, sondern präsentiert als Produzentin auch einen hervorragenden Film.

Kidman mimt Becca, eine verheiratete Hausfrau, die vor acht Monaten ihren vierjährigen Sohn Danny verloren hat. Rabbit Hole zeigt die Spannungen, die die eigentlich glückliche Ehe mit Howie (Aaron Eckhart) aushalten muss und die Dynamik zwischen Becca und ihrer Mutter (Dianne Wiest, Hannah And Her Sisters), die ebenso den Verlust ihres Sohnes zu beklagen hatte, sowie ihrer schwangeren Schwester Izzy (Tammy Blanchard).

Regisseur John Cameron Mitchell, der hier ein Theaterstück von David Lindsay-Abaire verfilmte, zeigt verschiedene Arten der Trauerarbeit. Während Becca jegliche Erinnerung an ihren Sohn auszulöschen scheint – sie bringt seine Kleider weg, entfernt Bilder von ihm -, klammert Howie an allem, was von Danny übrig geblieben ist. Die Ehe der beiden leidet unter dem Verlust und jeder versucht mit anderen Mitteln, wieder ins Leben zurückzufinden.

Überraschend für einen Film über eine trauernde Familie, ist Rabbit Hole immer wieder humorvoll, ja geradezu witzig. Dass die Balance von bedrückenden und wohlig-humorvollen Momenten so gut gelingt, liegt nicht nur am gelungenen Skript, sondern vor allem am fantastischen Ensemble: Hat man sich erst mal an Kidmans neue Lippen gewöhnt, kann man von ihrer Darstellung der Becca, die beobachten muss, wie das Leben aller anderen weitergeht, während ihres in Scherben liegt, nur noch beeindruckt sein. Doch auch Eckhart und Wiest glänzen als Ehemann bzw. Mutter und tragen genau wie die stets überzeugende Sandra Oh in einer kleinen Rolle zum Gesamteindruck des Films bei.

Rabbit Hole ist größtenteils leise, insgesamt fast handlungsarm. Cameron-Mitchell zeichnet eine Situationsbeschreibung einer erschütterten Familie, die zwar nicht aufhören wird zu trauern, aber zumindest kleine Fortschritte macht.

9/10

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