Suspiria

Suspiria ist ein Klassiker des Horrorfilms und gilt als wichtigstes Werk des für seine Giallos, einem italienischen Subgenre des Thrillers, berühmten Regisseurs Dario Argento. Fast so berühmt wie Suspiria selbst ist die Werbe-Tagline des Films: „The only thing more terrifying than the last 12 minutes of this film are the first 92.“

Nun ist Suspiria heute nicht mehr unbedingt terrifying, eine unheimliche Atmosphäre verbreitet Argentos Werk aus den späten 70ern aber doch. In der Eröffnungsszene kommt die Amerikanerin Suzy Banyon (Jessica Harper) in Deutschland an, es regnet und stürmt. Die Taxifahrt zu ihrem Ziel, einer renommierten Ballettschule, löst klaustrophobische Gefühle aus. Doch in der Schule beginnt der Horror erst: Eine Mitschülerin wird ermordet, Maden fallen von der Decke, nachts sind seltsame Geräusche zu hören und schließlich verschwindet eine weitere Schülerin.

Handlungstechnisch bietet Suspiria wenig Neues, ja, weist sogar einige Logiklöcher auf. Doch Argento erzählt seine Geschichte audiovisuell: Mit farbenprächtiger Technicolor-Technik und extrem beleuchteten Sets schafft er eine nicht greifbare Bedrohung, einen filmischen Albtraum und gleichzeitig eine surreale Märchenatmosphäre, die durch die mal unheimliche, mal lärmend-hämmernde Musik der Goblins noch verstärkt wird. Der klassische Plot wird dem unbedingten Stilwillen Argentos untergeordnet, so dass jedes einzelne Bild ein Augenschmaus ist.

Argento nimmt den Morden die Natürlichkeit, er wählt zum Beispiel die Farbe des Blutes zu grell und erhebt den Mord im durchdesignten Setting zur Kunstform. Da ist es zwar schade, dass bei eh schon schwacher Handlung die Dialoge nicht die stärksten und die Darsteller teilweise bestenfalls durchschnittlich sind, doch Suspiria ist ein Film der Stimmungen, bei dem das Prinzip style over substance funktioniert und ihm einen berechtigen Platz in der Filmgeschichte sicherte.

7/10

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