Seven

Detective William Somerset (Morgan Freeman) will sich in einer Woche in seinen Ruhestand verabschieden, ausgerechnet da geschieht ein grausamer Mord. Ein fetter Mann wurde gefesselt und zu Tode gefüttert. Am Tatort findet man das Wort „gluttony“ – Maßlosigkeit. Mit seinem neuen Kollegen David Mills (Brad Pitt, Inglourious Basterds, The Tree Of Life), der gerade erst mit seiner Frau Tracy (Gwyneth Paltrow, Two Lovers) in die immer verregnete, unbenannte Stadt gezogen ist, arbeitet er an dem Fall. Dann wird am nächsten Tag ein weiterer Toter gefunden: Ein bekannter Anwalt wurde ermordet, neben ihm das Wort „greed“ – Gier. Die Detectives ahnen, dass jemand sein Werk vollenden will, in dem er alle sieben Todsünden bestraft.

Ich habe David Finchers Seven vor Jahren zum ersten Mal gesehen, hatte aufgrund guter Kritiken enorme Erwartungen, die dann etwas enttäuscht wurden. Ja, die Atmosphäre war kalt und düster, das Finale war großartig. Doch der Rest? Ein zunächst spannungsarmer und ansonsten solider Thriller. Doch der Film belegt Platz 27 der 250 besten Filme aller Zeiten der imdb. In der Hoffnung, Seven doch noch als Meisterwerk für mich zu entdecken, habe ich ihn also nochmals angeschaut.

Erneut konnte ich nur staunen, wie Finchers (The Social Network) präzise Regiearbeit und das detaillierte Setdesign – ich konnte mich an manche Schauplätze erinnern, als hätte ich den Film gestern zuletzt gesehen – eine Atmosphäre erschaffen, in der menschliche Wärme nicht zu existieren erscheint. Die Welt ist böser Ort, voll von abscheulichen, sündigenden Menschen. Die, die sich dem Kampf gegen das Böse widmen, werden davon aufgefressen. So erscheinen die Szenen im Zuhause von David und Tracy Mills wie Fremdkörper, die im nihilistischen Kontext geradezu unwirklich wirken.

Doch – und hier beginnen meine Probleme mit Seven – sind auch alle anderen Szenen durch eine filmische Künstlichkeit geprägt. Vielleicht ist das Setdesign zu perfekt, vielleicht fordert der unbedingte Wille zur perfekten Atmosphäre sein Tribut. Wenn jeder Tatort selbst bei Tag und trotz vieler kleiner Wand- und Tischlampen (eine Deckenbeleuchtung scheint nicht zu existieren) so dunkel ist, dass man auch mit Taschenlampe nur das Nötigste erkennt, dann rückt das Filmemachen zu sehr in den Vordergrund und die Handlung des Films wird zur Nebensache. Und so bewegen wir uns mit den Cops von einem beeindruckenden Schauplatz zum nächsten, nebenbei wird die Geschichte etwas vorangetrieben, doch packend wird Seven erst im plötzlich sonnendurchfluteten Finale.

Oft neigt man dazu, nach einem großartigen Ende den ganzen Film retrospektiv ebenso großartig zu finden. Noch dazu verführt Seven durch handwerkliche Perfektion, doch auch beim zweiten Ansehen unterscheiden sich die ersten 90 Minuten nicht so sehr vom üblichen Cop-Einerlei. Seven offenbart Finchers Talent (Brad Pitts nicht unbedingt), doch ein Meisterwerk sehe ich auch heute noch nicht.

7/10

Advertisements