Lola rennt

Lola rennt hat Ende der 90er Jahre nahezu im Alleingang die deutsche Filmlandschaft wiederbelebt. Nun, mehr als ein Jahrzehnt später, fragte ich mich, ob Tom Tykwers (Drei) großer Durchbruch den Test der Zeit überstanden hat.

Die Grundlage des Films wird in den ersten Minuten geklärt: Lolas (Franka Potente) Freund Manni (Moritz Bleibtreu), ein Krimineller, hat eine Tüte, in der sich 100.000 Mark befanden, in der U-Bahn vergessen. Nun muss er in 20 Minuten an das Geld für seinen Auftraggeber kommen – oder er ist tot. Er ruft Lola an, bittet sie um Hilfe, ihre Gedanken rasen und sie beginnt zu rennen.

Die einfach gestrickte Geschichte wird dadurch interessant, dass Lola sie drei Mal erlebt. Scheitert sie, versucht sie es einfach nochmals. In jedem Durchgang begegnet ihr im Treppenhaus ein Hund; erst läuft sie an ihm vorbei, dann schnappt er nach ihr und sie stürzt, schließlich springt sie über ihn hinweg. Diese unbedeutenden Sekunden haben einen entschiedenen Einfluss – nicht nur auf ihr Leben, sondern auch auf das vieler Beteiligter. Diese Variationen des Schicksals sind manchmal nett anzusehen, wie etwa der Autounfalls Herr Meiers, in anderen Fällen wirken sie arg beliebig. Gerade die Fotomontagen der Zukunft unterschiedlicher Personen, denen Lola begegnet, sind nichts weiter als Gimmicks, die für den Film letztlich irrelevant sind.

Noch dazu benutzt Tykwer sämtliche filmtechnischen Möglichkeiten, um Lola rennt dynamisch und modern zu inszenieren: Fast durchgehend wird der Zuschauer von elektronischer Musik beschallt, die Schnitte sind schnell, es gibt Animations- und schwarz-weiß-Sequenzen, Tykwer dreht auf Film und Video, er setzt Zeitlupen und Split-Screens ein. Was in den 90ern noch wegweisend wirkte, hat jetzt nur noch den Charme eines hyperaktiven Musikvideos.

Doch auch wenn die technischen Spielereien heute nicht mehr beeindrucken, ist es genau dieser Charme, der Lola rennt eben doch interessant macht. Der Film funktioniert wie eine Zeitkapsel, zeigt eine Welt, die fremd und weit, weit entfernt zu sein scheint: Berlin in den 90er Jahren. Lola rennt ist so fest in seiner Entstehungszeit verankert, dass das Anschauen fast wie eine Zeitreise erscheint.

Unterhaltsam ist Lola rennt sowieso. Mit viel gutem Willen könnte man Tykwer gar attestieren, einen Film über die Macht des Zufalls und die Beliebigkeit des Schicksals gedreht zu haben. Den Test der Zeit hat Lola rennt aber dennoch nicht überstanden. Nach kurzweiligen 80 Minuten bleibt das Gefühl, einen seltsam antiquierten Film gesehen zu haben, der nur als Einblick in vergangene Zeiten in Erinnerung bleiben wird.

6/10

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