The Iron Giant

Ein kleiner Junge freundet sich mit einem Wesen aus dem All an, doch bald kommen Männer von der Regierung, die in dem Fremden eine Gefahr sehen. Klingt nach E.T.? Das unterschätzte Animationsjuwel The Iron Giant gleicht Steven Spielbergs Hit aus den 80er Jahren in seiner Handlung tatsächlich, entwickelt aber einen ganz eigenen, unwiderstehlichen Charme.

Der menschliche Held des Films ist Hogarth Hughes (Eli Marienthal), ein schlauer 9-Jähriger, der nach dem Tod seines Vaters bei seiner alleinerziehenden Mutter Annie (Jennifer Aniston) in einer amerikanischen Kleinstadt der 50er Jahre aufwächst und sich einen Freund wünscht. Nachdem es mit Haustieren nicht so recht klappen will, findet er diesen Freund im titelgebenden Robotergiganten (Vin Diesel), der sich von Metall ernährt. Am liebsten würde er seinen neuen Freund der ganzen Welt zeigen, doch Hogarth weiß, dass die Menschen Angst vor ihm hätten, ihm gar nicht genug Zeit geben würden, um zu sehen, wie friedlich er ist. Hogarth versucht, den Riesen zu verstecken; doch bald wird der Regierungsbeamte Kent Mansley (Christopher McDonald) auf rätselhafte Ereignisse aufmerksam und beginnt seine Jagd auf den Giganten aus dem All.

Die herzerwärmende Geschichte ist universell und zeitlos – und doch gibt es keinen besseren Schauplatz als eine amerikanische Stadt der 50er Jahre. Die Angst vor dem Unbekannten, vor der „roten Bedrohung“ ist allgegenwärtig. Misstrauisch steht die Bevölkerung dem russischen Satelliten Sputnik gegenüber, in Schulen werden Lehrfilme zum Verhalten im Falle eines Atombombenabwurfes gezeigt. Brad Bird (The IncrediblesRatatouille) karikiert die verängstige Gesellschaft und zeigt, wie sie sich durch Ablehnung alles Unbekannten, durch Ignoranz und vorschnelles Handeln einen Feind schafft.

Ausgerechnet der dem in Trickfilmen üblichen Kindchenschema widersprechende Metallriese wird zum emotionalen Mittelpunkt des Films: Obwohl er als Waffe konzipiert wurde, widersetzt er sich seiner Bestimmung. Die Botschaft: Man entscheidet selbst, wer (oder was) man ist. Das ist etwas schmalzig, aber doch so liebevoll in schlichten und dennoch beeindruckenden Animationen, sympathischen Charakteren und subtilen Humor verpackt, dass man schließlich doch nur gerührt sein kann.

Gerade bei den Bösewichten verfällt Bird zwar der Schwarz-Weiß-Malerei; in allen anderen Aspekten legt er mit The Iron Giant aber einen perfekten Animationsfilm nicht nur für Kinder vor.

9/10

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